Gespräch im September 2000
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Relaxed und gutgelaunt antwortete er auf unsere Fragen

 

N.K.: Sesamstraße. Da war ich sechs oder sieben. Ich muss jetzt mal überlegen, ich glaube, das war so die Übergangsphase von der amerikanischen Sesamstraße zur deutschen, also Samson, Tiffy gab’s alle noch nicht. Und man fing an, Geschichten aus dem Kindergarten oder aus der jungen Familie, also Kinder in sozialen Brennpunkten, in die Sesamstraße zwischen die amerikanischen Beiträge einzufädeln. Zum Beispiel, da hat jemand eine Packung Smarties und will die nicht teilen, und warum nicht... solche Sachen. Und das muss so 1976, 1977 gewesen sein. Ich weiß nur, dass ich auch mal mit dem Bluescreenverfahren mit Dreieckshut und im Rokokokostüm auf dem Fernsehturm stand, irgendwie als Neandertalerkind... jetzt sind wir schon wieder bei den Neandertalern... irgendwie hat mich das bis heute verfolgt.

Willst du dich weiterhin auf die Fernseharbeit konzentrieren, oder auch wieder mehr Theater machen? Vielleicht auch mal in die Kinoarbeit einsteigen?

N.K.: Also, eine Sache ist leider Gottes erst mal dieses Jahr geplatzt. Das ist ein Kinoprojekt, und das wäre auch das erste Kinoprojekt für mich gewesen. Aber da haben die Fördermittel irgendwie gestreikt. Und dann hat der Produzent es erst mal aufs nächste Jahr geschoben. Mal gucken, ob das dann noch stattfindet, ob das Thema dann für ihn immer noch aktuell ist oder ob er neue Ideen hat, und ob ich in dem nächsten Cast dann auch wieder mit drin bin oder nicht, weiß ich nicht. Die Fernseharbeit werde ich sicherlich weiterhin ausbauen, forcieren, das ist gar keine Frage. Aber ich werde sehen, dass ich nach wie vor Theater spiele.

Ich habe da ein paar Ideen im Kopf, ich möchte mal unter der Regie unter einem meiner besten Freunde ein Ein-Personen-Stück auf die Beine bringen, womit ich dann auch relativ ungebunden bin. Es gibt da ein Stück, das mir vorschwebt, das in Berlin gerade große Erfolge hatte, das heißt „Caveman“. Das hat die Esther Schweins inszeniert. Ich habe es leider nicht geschafft, es mir anzugucken, aber ich muss es mir jetzt unbedingt mal holen und das wäre so ein Stück, auf das hätte ich schon Lust. Und das würde ich dann mit dem Stefan Schneider zusammen machen, mit dem ich auch „Butterbrot“ gespielt habe. Der sollte dann die Regie machen, weil ich ihn erstens für einen erstklassigen Schauspieler halte, und zweitens kann ich mit ihm gut. Also, das habe ich erst mal als Idee im Kopf. Ob es dazu kommt, weiß ich nicht.

Ansonsten werde ich nach wie vor ein treuer Anhänger von den Karl-May-Festspielen bleiben, also, ich werde zumindest jedes Jahr treu und brav hier sein und mir alles angucken, was hier gespielt wird. Und natürlich auch, wenn sich das ergeben sollte, hier irgendwie sicherlich auch gerne wieder spielen. Das ist keine Frage, es gibt ja dieses Karl-May-Fieber, und das hat man einfach irgendwann, und ich hab’s seit 1992. Da war ich 23, jetzt bin ich 31 und hab’s immer noch und ich glaube, ich werde es auch noch haben, wenn ich 40 bin, oder 50. Oder wenn ich 60 bin? Ich weiß’ es nicht.

Das freut uns natürlich zu hören! Hast du eigentlich noch Lampenfieber, bevor der Vorhang aufgeht?

N.K.: Ja. Gerade bei „Späte Mädchen“, ich glaube... ich bin gestorben. Nun war das Grausamste daran, dass wir 320 Leute hatten und direkt im Publikum gespielt haben, auf diesem Catwalk, d.h. unmittelbare Nähe. Die Leute konnten einem wirklich in die Nasenlöcher gucken, deswegen habe ich da auch noch mal ordentlich nachrasiert, und in den Spiegel geguckt, unter die Nase, „Ohja, geht, wunderbar.“ und ab auf die Bühne. Und es waren nur Kollegen, Bekannte und Freunde, 320 Stück. Normalerweise ist das grauenhaft, vor Kollegen zu spielen. Und, was wirklich noch dazu kam, war, dass ich erst mal eineinhalb Stunden nicht dran war, die absolute Härte! Erst mal eine Stunde lang der erste Teil, wo ich nicht dabei bin, dann eine halbe Stunde Pause und dann kam ich erst auf die Bühne! Ich setze mich auf die Bühne und der Schweiß floss so runter, dass es tropfte. Ich war nassgeschwitzt, ohne dass ich mich überhaupt bewegt habe. Ich war so aufgeregt, so was von... das ging dann weg. Also, es war ein Adrenalin, und das waren Endorphine, ich weiß nicht, was da freigesetzt wird, alles auf einmal wahrscheinlich. Also, ich bin da sehr anfällig. Auch letztes Jahr bei „Halbblut“, die Premiere, klar, natürlich.

Ich habe von Leuten, die das Stück „Späte Mädchen“ gesehen haben, gehört, dass in dem Moment, als du auf die Bühne gekommen bist, ein riesiger Begeisterungssturm losgebrochen ist. Klar, es waren Kollegen und Freunde da, aber was ist das für ein Gefühl, wenn man so begrüßt wird, obwohl man noch gar nichts gemacht hat?

N.K.: Es hat natürlich eine Vorgeschichte. Das Stück fängt an und du hast über der Bühne ein 5x4m großes Foto von mir, mit einem Apfel und einem Lächeln in die Kamera, und das thront die erste Stunde völlig über den beiden Frauen. Der Zuschauer guckt es immer an. Der sieht auch eingespielte Szenen am Anfang, die ich mit Inke vorgedreht hatte. Und vor allem ist es so, dass die beiden Frauen erst mal eine Stunde lang nur von mir reden! Die reden wirklich nur von Mariano und „wir wollen ihn, wir lieben ihn! Das ist der Mann!“ Ich glaube, ich hätte genauso gejubelt, wenn ich im Zuschauerraum gesessen hätte und ein anderer Kollege in der Rolle auf die Bühne gekommen wäre. Also, das hat schon damit zu tun. (Pause) Und das Gerücht, dass ich mich irgendwann während der Vorstellung ausziehe. (lacht)

Wie sehr ärgern dich noch Versprecher oder andere Fehler, wenn du auf der Bühne bist?

N.K.: Überhaupt nicht. Ich hab’ nur gemerkt, dass ich wirklich anfällig bin, als Lachwurzel. Das habe ich letztes Jahr gemerkt mit Hermann (Giefer), wir haben uns an ein paar Stellen angeguckt, in einigen Szenen und ich konnte nicht mehr! Ich wollte ihn eigentlich aus dem Konzept bringen und hab’ mich dabei aus dem Konzept gebracht. 1992, 1993, 1994 hatte ich da noch eine andere „Coolness“... ich weiß nicht. Oder vielleicht denkt man jetzt mehr drüber nach? Ich merke jedenfalls, dass ich ziemlich leicht raus zu bringen bin. Ich mag ja auch ganz gerne mal... da ich ja einen maulwurfblinden Freund habe, der hier gerade mitspielt, da gehe ich dann schon gerne mal in Kostüm auf die Bühne und drücke ihm das Gewehr in die Hand, und der kriegt das nicht mit! Okay, andere Sache! Ich meine, was hätte ich machen sollen – Hampelmann? Ich hab’ dann aber schon das große „P“ in Gojkos Augen gesehen – ich habe gemerkt, ich mache jetzt lieber nichts mehr, sondern verschwinde nur noch von der Bühne.

„P“?

N.K.: Ja, Panik. Das große „P“, als er mich da sah.

Früher warst du hier in Segeberg ja eigentlich mehr derjenige, der bei einer Panne den coolen Spruch rüberbrachte und nicht gelacht hat.

N.K.: Das ist keine Frage, das ist auch noch nach wie vor so. Solange mir immer noch ein Spruch einfällt, wenn irgendwas schiefläuft... Es ist aber sicherlich nicht so, dass ich auf Teufel-komm-raus, wenn etwas schiefläuft, jetzt unbedingt meinen Senf dazugeben muss. Das kann nämlich auch ganz peinlich werden und nach hinten losgehen. Es gibt da so ein paar Komiker, die das immer wieder gerne versuchen, die aber wirklich die Schlagfertigkeit nicht mit Löffeln gefressen haben und es lieber sein lassen sollten. Aber wenn ein Spruch passt und es vor allem auch bei dem einen bleibt... Das heißt, wenn einer einen Spruch loslässt, und der sitzt – bei einer Panne oder so – dann darf man darauf nicht noch einen setzten, oder es versuchen. Dann ist Schluss. Eine gute Pointe ist nicht zu toppen. Das ist dann so ein Spiel der Eitelkeiten, das muss nicht sein. Da bin ich auch ein ganz großer Feind von. Das war ich aber auch schon immer. Entweder es passt, oder es passt nicht, und dann wird der Spruch gemacht. Und das muss man halt alles machen, wenn wirklich Patzer oder Pannen passieren, die den Handlungsablauf stören, so wie 1992, als Joshy nicht kam und ich unten am Marterpfahl stand. Da musste man halt vier Minuten lang das Publikum unterhalten. Damit es nicht wegläuft und Spaß hat, denkt man sich halt was aus. Das würde ich heute immer noch ganz genauso machen. Das ist gar keine Frage.

Im dem Stück „Butterbrot“ von Gabriel Barylli hattest du als Schauspieler Stephan Kowalski folgenden Satz zu sagen: „Ich möchte in einer Welt leben, die meinen Beruf nicht nötig hat.“ Wie stehst du persönlich zu so einem Satz?

N.K.: Oh, der ist ja Scheiße! (lacht) Oh, was würde ich denn dann machen?? Ja, aber, dann wüsste ich ja gar nicht, wie ich mein Geld verdienen soll? Dann wüsste ich ja gar nicht, wie ich leben sollte? Also, „Ich möchte in einer Welt leben, die meinen Beruf nicht nötig hat.“ (überlegt) Da müsste ich noch mal in mich gehen, wie der Satz wohl damals gemeint war. Das ist ja schon soooo lange her... kam der denn überzeugend?

Ja.

N.K.: Dann meinte ich den wohl auch so... (lacht) Ich überlege jetzt wirklich gerade...

Es ging darum, dass Schauspieler ja eigentlich die ganze Zeit nur lügen, weil sie den anderen etwas vorspielen. Und man muss dann hingehen und sich angucken, wie andere einem vorspielen, wie die Welt sein könnte, sozusagen.

N.K.: Ja, genau! Oder wie sie nicht sein sollte. Es ist bestimmt in der einen Richtung so gedacht. Wunderbares Beispiel: Wenn du dir ein Ehepaar vorstellst, das lange verheiratet ist und es trotzdem schafft, sich im Restaurant nebeneinander zu setzen und zwei Stunden lang nicht miteinander zu reden – das ist für mich ja immer noch das größte Phänomen! Und die Menschen sind schon dreißig Jahre verheiratet... und dann ist es für die noch eine Steigerung, weil sie sich ja immerhin nicht gestritten haben. Und dann gehen sie aber in ein Theater, in ein Boulevardstück, zum Beispiel zu Millowitsch oder ins Ohnsorg-Theater, wo gutes Theater gemacht wird, keine Frage, aber eher so der robustere Humor zu Tage gebracht wird, und da herzhaft lachen und zu Hause sich wieder anschweigen – dann glaube ich, verstehe ich den Satz. Das ist wirklich nicht erstrebenswert. Denn den größten Spaß sollte man immer noch mit sich selber und im wirklichen Leben haben. Gut, klar, wenn man Stress im Beruf, beim Studieren oder so hat, und dann eine Komödie einen wieder aufheitern kann, dann finde ich das auch okay. Dann sollte man das nicht so ernst und wörtlich nehmen. Gut, der Stephan Kowalski hat einfach ein existenzielles Thema für sich daraus gemacht, in dieser Situation, in der sich diese Figur gerade befand. Für mich selber kann ich das sicher nicht 1:1 übernehmen, aber für das Beispiel, das ich gerade genannt habe, da kann ich das schon.

Kommen wir mal zu Bad Segeberg: Welchen Stellenwert würdest du den Karl-May-Festspielen persönlich geben? Welche Stellung nehmen sie in deinem bisherigem Lebenslauf ein?

N.K.: Ich würde mal sagen, dass es für mein Empfinden nach wie vor einen großen Stellenwert hat, was den Spaßfaktor angeht, den man bei der Arbeit, die man hier macht, hat. Natürlich ist es auch Arbeit, es ist körperliche Arbeit, es ist auch Kreativität, die du hier zu Tage bringen musst, wo du dich und deine Person einbringen musst, um einfach ein gutes Actionspektakel für die ganze Familie zu bieten – und es ist doch nicht Hansapark. Es ist mehr – eine Mischung aus Zirkus, Show...also, für mich hat das einen ganz hohen Stellenwert. Und es hat einfach einen ganz hohen Spaßfaktor für die Beteiligten, die das machen, und für die Leute, die es sich angucken und dieses Ganze, vom Westernsteak, das sie oben futtern, über Indianerfedern und Schminken bis hin zu den Pfropfenpfeilen, die sie sich gegenseitig auf die Stirn kleben, erleben – das ist einfach ein großes Happening. Insofern finde ich ganz toll, ganz groß, es bringt Riesenspaß. Und ich kann immer wieder nur sagen, egal, für wen oder für was, es ist immer eine Reise wert – für mich auch. Abgesehen davon, dass ich hier eben auch Freunde habe, in Segeberg, mich verbindet hier auch was, klar.

Das sind also Gründe, weswegen man auch immer wieder kommt, das macht so den Reiz aus?

N.K.: Genau. Man muss ganz klar sehen, dass die Insider im Beruf, ob nun Schauspieler oder Regisseure oder Produzenten oder Redakteure von Sendern, nichts auf diese Spiele geben. Es ist eine ganz andere Welt. Es ist einfach so, dass es immer etwas belächelt wird, das finde ich sehr schade. Dementsprechend musste auch so ein Mann wie Mathieu Carrière dieses Jahr pressemäßig sehr darunter leiden, so vonwegen „Mathieu Carrière – ein Mann will nach unten“, „Kindertheater“ und...

...Segeberg – ein Altersheim für abgehalfterte Stars...

N.K.: Ja, ganz genau. Und so ist es nicht. Es hat sich zwar so ein bisschen etwas eingetrudelt, was mit Namen zu tun hat, die man jedes Jahr verpflichten muss, weil man einmal damit angefangen hat. Und das ist eine Schraube, die dreht sich entweder immer weiter nach oben, oder auf der anderen Seite immer weiter nach unten... und das ist eine Geschichte, wo man sehen muss, dass man mal irgendwann einen Ausweg findet. Also, es ist überhaupt nichts dagegen einzuwenden, wenn man einen Namen hat. Man kann in der Presse mit einem Namen wesentlich mehr anfangen. Das ist ja schon so ein Spiel, was hier zwischen den Spielen und der Presse abläuft...“Na, was wird nächstes Jahr gespielt? Und wer kommt? An dem sind sie dran und an dem sind sie dran...“ Und dann kommt ein Gerücht auf, der könnte es sein. Klappern gehört zum Handwerk, und das gehört auch zu den Spielen, das ist auch wunderbar.

Wie kommt man eigentlich als „normaler“ Schauspieler mit diesen Namen, mit diesen „Stars“ zurecht?

N.K.: Das ist kein Problem. Also, ich habe damit kein Problem, weil ich hier noch keinen Star erlebt habe, der gegenüber dem Team Starallüren hatte. Für mein Empfinden war der eine oder andere hier fehl am Platze oder auch richtig, das kann man schon sagen. Aber für mich war es nie so, dass ich mit jemandem nicht ausgekommen bin. Gezofft hat man sich mit allen mal, auf der Hinterbühne, bei den Proben, oder so. Entweder es kam einem zum dritten Mal, wenn man gerade auf dem Umritt längspreschte, Freddy Quinn auf seinem Pferd entgegen... Oder Elke Sommer, die ja nun wirklich eine Schauspielerin ist, die alle Tricks und Kniffe aus Hollywood noch drauf hat... da ging das Tor auf, der Haupteingang, ich bin auf der Bühne beim letzten Bild, sie reitet raus und spürt plötzlich Licht auf ihrem Gesicht, und denkt, das wäre ihr Licht und bleibt dort stehen. Der ganze Treck stand noch auf der Hinterbühne und sie fing an, dort ihren Dialog zu machen, weil sie halt wusste, da hat sie Licht. Ich habe mich umgedreht und mich gefragt, ob wir jetzt alle mit dem Rücken zum Publikum spielen sollen. Das passiert halt schon mal. Dann redet man halt drüber und sagt: „Es kommt Licht, dann kommt ein bisschen Schatten und dann kommt aber wieder ganz viel Licht für dich, und stell’ dich doch bitte da hin.“
Das sind halt so Sachen, aber sie sind ja nicht ohne Grund da, wo sie namentlich einfach stehen. Das hat alles seine Berechtigung. Und der Ölprinz zum Beispiel muss unsympathisch rüberkommen, als Schweinehund. Das, finde ich, macht Mathieu hervorragend! Ich habe selten einen süffisanteren, sarkastischeren Bösewicht gesehen, und ich finde auch gut, dass er das auch mit reinbringt, diese humorige Seite, aber trotzdem so ein Dreckschwein ist.

Letztes Jahr gab es nach der Premiere ja einige Zeitungsberichte, wo sie dich immer so als Mischung zwischen Tom Cruise und Mel Gibson bezeichnet haben. Was hältst du eigentlich von solchen Vergleichen?

N.K.: (grinst) Wer sind die? (Gelächter) Ich meine, wer ist Tom Cruise, wer ist Mel Gibson, also entschuldige bitte... Nein, nicht nächste Frage! Also, ist natürlich super, ist schön, klar! Es ist aber ein himmelweiter Unterschied, ob man da unten auf der Bühne... gut, die Rolle war natürlich sehr actionmäßig, das liegt mir, ich turne ganz gerne durch die Gegend, ich reite ganz gerne, ich prügle mich auch ganz gerne mit zwanzig bösen Banditen und wenn ich dann gewinne, dann liegt das nicht an mir, sondern an der Inszenierung... und dann sieht das natürlich alles ganz toll aus! Aber anders geht es ja Tom Cruise und Mel Gibson auch nicht, wenn die die Engländer aus Amerika vertreiben. Jetzt habe ich leider den zweiten Teil von „Mission Impossible“ nicht gesehen und weiß nicht, gegen wen Tom Cruise da kämpft, aber er wird wahrscheinlich auch die halbe Welt besiegen, in letzter Sekunde. Dann liegt das aber auch nicht an Tom Cruise oder Mel Gibson, sondern an den Inszenierungen... also, das sind große Leinwandstars und ich bin halt hier auf der Bühne ein Actionschauspieler. Und wenn ich’s gut mache, dann zieht man so einen Vergleich ran. Das schmeichelt mir, logisch.

Inzwischen gibt es ja auch schon Gerüchte, dass Gojko Mitic in Segeberg in nicht allzu ferner Zukunft das Winnetou-Kostüm an den Nagel hängt. Sehr viele – uns nicht unbedingt mit eingeschlossen – sehen dich als einen möglichen Nachfolger. Wen man auch fragt, alle sagen: „Ja, Nico, jung, dynamisch, ausdrucksstark!“ Könntest du dir vorstellen, diese Rolle zu spielen? Wen könntest du dir sonst vorstellen?

N.K.: Das ist schwer... also, ich sage mal, wenn Gojko irgendwann mal keine Lust mehr hat, wenn irgendwer an mich rantreten sollte, aus welcher Ecke auch immer, kann man sich sicher darüber unterhalten. Ich habe mir bis jetzt noch jedes Rollenangebot von Segeberg reiflich überlegt und entweder es kam zu einer Zusammenarbeit oder nicht. Wenn es so war, habe ich es nicht bereut, und es hat mir immer Spaß gemacht, und wenn es aus irgendwelchen Gründen nicht so sein sollte, dann habe ich was anderes gemacht... es muss ja nicht immer Hollywood sein, weißt du? (lacht) Ja, auch ich bin ab und zu mal auf den Karl-May-Magazin-Seiten und gucke mir das Forum an.

Ach nein!

N.K.: Ja, irgendwann stand da auch mal was so vonwegen „Unsere Quellen sind relativ sicher, dass Nico nächstes Jahr da ist, und wenn Hollywood nicht noch nach ihm ruft, dann kommt er auch...“ also, Hollywood hat gerufen, die haben mich gestern angerufen und mir gesagt, dass ich hier bleiben kann. Das werde ich dann auch tun.

Also, um mal zurück zur Frage zu kommen: Winnetou wäre also für dich eine Rolle wie jede andere?

N.K.: Natürlich ist es nicht eine Rolle wie jede andere – es ist ja DIE Rolle hier in Segeberg. Ich will ja nicht gemein sein, aber es ist der junge (schmunzelt) Apatschenhäuptling. Gut, ich kann natürlich sagen: „Mein Gott, ich fühl’ mich noch nicht reif genug, um diese Rolle zu spielen.“ Klar, die Rolle entbehrt nicht eines gewissen Reizes. Ich bin mir nur manchmal nicht so sicher... da ich vor allem auch typenmäßig sonst nicht festgelegt bin, würde ich diese Rolle auch nicht schubladenmäßig spielen. Es wäre vielleicht ein andere Winnetou, als man ihn bisher hier so kennt und gesehen hat. Damit meine ich jetzt nicht nur Gojko, ich meine auch...

Pierre Brice...

N.K.: Pierre Brice... ja gut, Pierre Brice ist Winnetou. Der hat hier doch irgendwo das Urheberrecht, oder? Es ist einfach die Rolle seines Lebens. Das ist doch ganz klar.

Und wen könntest du dir ansonsten für die Rolle vorstellen?

N.K.: Ich wüsste vielleicht den einen oder anderen Schauspieler, von denen, die ich während meiner letzten Jahre beim Fernsehen getroffen habe, der das durchaus spielen könnte, der auch vom Typ her sehr gut dafür passen würde. Aber ich möchte die jetzt nicht gleich damit in Verbindung bringen. Obwohl, der eine, mit dem habe ich auch „Benzin im Blut“ zusammen gedreht, das ist der Oliver Bootz – der ist in erster Linie schon mal ein wahnsinnig schöner Mann. Und der ist auch wirklich gut drauf. Dann könnte ich mir noch einen meinen liebsten Freunde vorstellen, den Benjamin Sadler. Der könnte den Winnetou auch sehr gut spielen, glaube ich. Nagut, wenn der sich einen Bart wachsen lässt, könnte der auch gut den Shatterhand spielen. Auch jung, dynamisch... Es gibt bestimmt noch jede Menge andere auch. Aber es wäre schon gut, wenn man nicht wieder auf andere Retorten-Winnetous zurückgreift...

Also nicht versucht, einen adäquaten Ersatz für Gojko Mitic zu finden?

N.K.: Ja. Ich denke, dass Gojko nach wie vor ein fabelhafter Winnetou ist. Er ist toller Mann mit einer guten Ausstrahlung. Dass er jetzt vielleicht irgendwann mal keine Lust mehr hat, oder man sich aus anderen Gründen hier trennt, ist eine berufliche Entscheidung von Gojko. Die muss er halt irgendwann fällen, wenn er sie fällen will – und wenn nicht, dann nicht. Das geht keinem Schauspieler anders, nirgendwo auf der Welt. Also, nicht jeder hat Lust, sein Leben lang dieselbe Rolle zu spielen, das muss man auch sehen.

Welche Fragen wurden dir in Interviews bisher am häufigsten gestellt?

N.K.: Das ist mein zweites Interview?? Nein... (lacht) also, ich glaube, nach den mehr oder minder erfolgreichen Arbeiten, das wird am meisten gefragt. Oder auch, mit wem ich gerne mal zusammen spielen möchte – das sind so Klassiker.

Das haben wir vorher schon ein bisschen gestreift: Was wärst du geworden, wenn nicht Schauspieler?

N.K.: Da fällt mir jetzt so auf Anhieb gar nichts ein... ich hab’ ja irgendwann mal gesagt, dass ich dann Farmer in Kansas oder so geworden wäre...

Das war doch diese Umfrage mit Gojko, Joshy und dir im Programmheft von 1994, oder?

N.K.: Ich weiß, das habe ich gar nicht geantwortet. Das machte sich damals, glaube ich, aber ganz gut. Die haben mich gar nicht gefragt... doch, schon... Was wäre ich geworden, wenn nicht Schauspieler? Weiß’ ich nicht. Ich sage ja immer, wenn ich mal irgendwann keinen Bock mehr habe, dann fahre ich nach Gumea, mache eine Milchbar auf und leb’ da mit den Hippies. Aber das meine ich auch nicht ernst. (Gelächter) Nee, ich weiß’ nicht... doch, ich hätte eine Tabakplantage und würde auf Kuba Zigarren rollen.

Könntest du dir vorstellen, selber mal ein Drehbuch zu schreiben oder Regie zu führen? Gäbe es da schon Ideen?

Ein paar Fragen brachten ihn dann doch ins Schwitzen

N.K.: Ja. Die erste Frage nach dem Drehbuch müsste ich mit einem kleinen „Ja“ beantworten, weil das bestimmt noch eine ganze Weile dauert, bis ich mich vor ein Blatt Papier setze und es bleibt nicht länger als fünf Stunden leer. Es bleibt dann wirklich leer, und dann bin ich auch so erschöpft vom Stifthalten und Bleistiftknabbern, dann muss ich auch was anderes machen. Schreiben ist noch nicht mein Ding. Ich fang’ jetzt gerade an, wenn ich ein Drehbuch lese, etwas plastisch vor meinem Auge zu sehen. Ich denke, dass ich witzige Ideen habe und viele Sachen, wenn ich ein gutes Buch habe, dann auch entsprechend umsetzen kann. Das betrifft jetzt die Bühnenarbeit, nicht Film und Fernsehen. Denn Film/Fernsehregie bedarf noch so vieler technischer Geschichten.

Also, ich glaube, dass ich wohl ein Kammerspiel inszenieren könnte. Vielleicht würde ich es mir sogar zutrauen, so ein Actionschauspiel wie hier in Bad Segeberg zu inszenieren. Klar, es würde natürlich eine Menge Mut von den Verantwortlichen erfordern, zu sagen: „Ja, Herr König, Sie sind 32 Jahre alt, haben noch nie Regie gemacht, machen Sie mal.“ Darüber brauchen wir uns jetzt gar nicht zu unterhalten, aber ich habe auch gemerkt, dass ich bei jeder Inszenierung, bei der ich bis jetzt hier mitgewirkt habe, was dazu gelernt habe und auch sicherlich – wenn auch nur für meine Rolle – Ideengeber war. Viele Sachen sind in das Bild der Rolle auch von mir eingebracht worden. Das ist natürlich noch ganz was anderes, als hier die gesamte Verantwortung zu übernehmen. Das kommt aber weniger mit der Fähigkeit, sich kreativ was auszudenken, als mit einem gewissen Alterungs- und Reifeprozess, einfach irgendwann Verantwortung übernehmen zu können für eine Geschichte und sagen zu können „das mache ich jetzt - aus“, was man sich am Anfang vielleicht noch nicht traut. Manche trauen sich vielleicht auch gerade, wenn sie zwanzig sind und dann später nicht mehr. Das kann auch sein, aber bei mir ist eher anders herum.

Bei der Film- und Fernsehregie ist soviel Technik entscheidend, du musst den ganzen Schnitt im Kopf haben, bei der Inszenierung. Das ist halt so schwer und da fängt mein Begreifen erst so langsam an. Das sind alles so hochkomplizierte Geschichten.

Was möchtest du in deinem Leben erreichen – auch künstlerisch, was hast du da für Ziele?

N.K.: Also, ich möchte weiter so drehen, wie ich drehe. Ich würde gerne vielleicht im Jahr ein Theaterstück, zwei Filme machen und dann ist das Jahr auch bald schon rum. Oder drei Filme... das wär schön! Oder ein Theaterstück und eine schöne Serie. Natürlich wäre auch ein Kinoprojekt toll, logisch. Wenn die Zeit da ist, würde ich auch gerne mal was inszenieren, das ist sicherlich auch klar. Und das wäre es auch schon mit den beruflichen Zielen.

Und wie steht es mit den persönlichen Zielen?

N.K.: Ein privates Ziel wäre es, mal so eine Kleinfamilie gründen, nicht? Und irgendwann mal so ein kleines Häuschen auf dem Land, und dazu eine Wohnung in der Stadt, ich weiß nicht. Oder vielleicht auch eine Finca auf Mallorca?

Was machst du, wenn du nicht auf der Bühne stehst, oder vor einer TV-Kamera oder synchronisierst --- also, in deiner Freizeit?

N.K.: In meiner Freizeit faulenze ich, ich gehe mit Freunden essen, trinken, ich gehe ab und zu mal ins Sportstudio oder laufe um die Alster. Dann fahre ich gerne mal Kanu auf der Alster. Neulich bin ich mit Kollegen neun Stunden lang auf der Alster stadtauswärts gefahren, dann haben wir das Kanu noch über so eine Schleuse getragen, bis rechts und links nur noch Kühe zu sehen waren – es war wirklich wunderbar. Wir hatten ein Fässchen Bier dabei, das war auch ganz nett. Das sind so Dinge, die ich in meiner Freizeit mache.

Dieses Interview ist ja für deine Webseite gedacht. Und da würde ich ganz gerne mal wissen, wie denn dein persönliches Verhältnis zu Computern und den ganzen neuen Medien so ist?

N.K.: Ich habe ja einen Aldi-Computer... mit 500 Mhz, Pentium II und mit so einem 56k-Modem – das ist alles das, was ich lesen kann! Dann habe ich das Problem, dass mir dieser Computer dauernd einen Strich durch die Rechnung macht. Der wirft immer irgendwelche Fehler auf, die eigentlich gar nicht da sein dürften. Das kommt wahrscheinlich davon, dass ich ihn mit irgendwelchen Sachen vollgestopft habe, die ich mir runtergeladen habe und installiert habe, und er das gar nicht mag, wie ich das gemacht habe.

Ansonsten bin ich ganz gerne im Internet und surfe so durch die Gegend, gibt ja auch ganz witzige Sachen. Ich bin auch ganz gerne mal im KARL MAY & Co.-Forum. Natürlich gucke ich auch immer mit Begeisterung auf meine Webseite, die du so wunderbar für mich eingerichtet hast, was ich ganz klasse finde. Ja, ansonsten schreibe ich mir ab und zu mal ein paar E-Mails mit Freunden, Bekannten und Studios, soweit die online sind. Ansonsten nutze ich den Computer nicht so, höchstens noch für einen ganz kleinen Teil der Buchhaltung, was einfach praktisch ist, wenn man die Sachen so wunderbar ausdrucken kann. Genauso, wie ich wahrscheinlich nur 2% meiner Gehirnzellen benutze, benutze ich nur 0,1 % des Fassungsvermögens meines Computers.

Zum Abschluss wäre da noch die obligatorische Frage nach einer witzigen Begebenheit, die du uns erzählen könntest – sei es beim Drehen, oder im Theater oder in Segeberg. Fällt dir da spontan was ein?

N.K.: Ich muss wirklich mal überlegen – wir haben ja schon jede Menge Geschichten gehabt, auch jetzt beim Drehen mit Marco Rima, wo wir nach der 18. Klappe irgendwann einfach nicht mehr konnten, vor Lachen. Es passierte immer was! Wir sollten Gewichte in meinem Fitnessstudio einsortieren und dabei ein kurzes Gespräch haben. Dann fiel der ganze Ständer zusammen, dann purzelten die Gewichte auseinander, dann verhaspelte ich mich, dann verhaspelte er sich. Dann schlug einer die Klappe, bevor der Regisseur „Bitte“ gesagt hatte, dann kam plötzlich „Ton ab“, dann kam der Regisseur mit „Bitte“, dann ging die Kamera aus. Aber das wird man wohl alles noch zu sehen kriegen, denn wir haben bei dieser Serie auch die Sachen gesammelt, die daneben gingen, und die kommen in den Nachspann, glaube ich. Das wird bestimmt manchmal ganz witzig, das zu sehen. Das ist ja sowieso das Lustigste, das fand ich damals bei den Burt-Reynolds-Filmen schon immer so schön, so bei „Auf dem Highway ist die Hölle los“ – die Sachen, die schiefgelaufen sind.
Auch die letzte Vorstellung letztes Jahr in Segeberg war sehr lustig, also, das muss ich schon sagen, die gefiel mir sehr gut!

Wie du den BH da aufsammeln durftest...

N.K.: Ja, und wie Joshy sich das alles so schön zurechtgelegt hatte und ich ihm dann sagte: „Na los, küß’ mich doch!“ Das waren schon witzige Geschichten! Und Patzer? Was waren denn da für Patzer? Ja, klar, wenn man rausreitet, und das geht zwei-drei Mal unheimlich gut, die Pferde reiten auch vor einem mit raus. Und dann reitet man irgendwann raus und die Pferde drehen nach ein paar Schritten wieder um und hauen ab, und du stehst da und hast plötzlich keine Wildpferde mehr. So was ist natürlich auch immer sehr lustig. Aber so auf Anhieb fällt mir da so nichts ein, was ist zum Beispiel beim Drehen passiert... (überlegt) Ja, in einem alten Interview habe ich von solchen Versprechern erzählt, wie nicht „Kämpfe mit mir!“ sondern „Kämpfe um mich!“ – wenn das plötzlich rauskommt, denkst du schon... natürlich, Hans Kahlert! Das war ja sehr lustig! Hans Kahlert kommt letztes Jahr aus diesem Loch da raus und muss auf sein Stichwort hin „Schießen? Wer schießt hier?“ oder so etwas sagen, sagt das erste Wort und ihm kommt das Gebiss auf halber Länge entgegen. Hermann und ich gucken uns das an und sehen nur, wie er das Gebiss so – pfft – in der Hand hat und es – mmmpph – wieder reintut. Da war es für Hermann und mich natürlich aus. Wir drehten uns nur noch um und jedes Mal, wenn einer von uns den anderen rausbringen wollte, fassten wir uns zwischen unseren Texten nur so prüfend an die Zähne...“Okay, sitzt..“

Ja – das war alles. Ich bedanke mich ganz herzlich!

Fotos von Sonja Lehmann, Hamburg, und Gaby Dürmeier, Rosenheim

ACHTUNG! Dieses Interview unterliegt einem Urheberrecht und darf ohne Genehmigung von Nicolas König oder Kristin C. Schmeding auch auszugsweise nicht gedruckt oder anderweitig publiziert werden! Bei Interesse bitte eine e-Mail an spookykcs@web.de