|
Treffpunkt Karl May, Ausgabe 11
TKM: Wie bist Du zur Schauspielerei gekommen? N.K.: Meine Eltern sind Schauspieler, und da bin ich als Kleinkind immer mitgekommen, bevor ich eingeschult worden bin. Ich war dauernd hinter der Bühne, und dann hab ich auch mal hier und da ein bißchen mitgespielt. Das steht ja aber jetzt schon seit 1992 im Programmheft: Mit fünf Jahren "Woyzeck" bei den Bad Hersfelder Festspielen. TKM: Das war das erste, was Du gemacht hast? N.K.: Das war das allererste, was ich gemacht habe, ja. Und da lag das dann irgendwie nahe. Weil ich da auch gesehen habe, daß das unheimlich viel Spaß macht. Und dann hab ich, als ich dreizehn war, mit meiner Mutter zusammen eine Theatergruppe gegründet, mit Freunden, und dann entbrannte irgendwann der Wunsch, auf die Bretter zu gehen, die die Welt bedeuten...(zitiert) "Nicht jeder, der die Bretter, die die Welt bedeuten, betritt, merkt, daß er auf dem Holzwege ist." TKM: Wolltest Du schon immer Schauspieler werden, oder hattest Du irgendwann etwas anderes vor? N.K.: Nein. Also - kurzfristig wollte ich mal Tänzer werden. Das war so von meinem zwölfeinhalbten Lebensjahr bis zu meinem sechzehnten. Da habe ich eine Klassisch-Ballett-Ausbildung - so eine Vorausbildung - gemacht, also viel Klassisch-Ballett gemacht, Folklore getanzt und sowas alles, Modern ... Jazz noch nicht, das hab ich dann erst später auf der Schauspielschule gemacht. Aber dann kam irgendwie der erste Leistenbruch, der zweite Leistenbruch, und körperlich hatte ich einfach nicht die besten Voraussetzungen dafür. TKM: Was für Rollen hast Du schon gespielt? N.K.: Verdammt, was für Rollen hab ich denn gespielt? Ich habe im Weihnachtsmärchen den Prinzen gespielt, in Dornröschen. Dann habe ich einen jungen Punker gespielt in dem Stück "Alles auf Krankenschein" in der Kleinen Komödie in Hamburg. Das Weihnachtsmärchen war St.-Pauli-Theater in Hamburg. Dann habe ich gespielt in "Charly´s Tante" den Lord Thankgod Beverly. In der Originalvorlage, in der ja Peter Alexander mitspielt, ist das die Rolle von Peter Alexander gewesen. Weil Freddy Quinn mit seinen 60 Jahren aber schlecht einen Kommilitonen von uns spielen kann, wurde das halt ein bißchen bearbeitet, daß er der Butler ist, und ich verkleide mich dann als Butler und er sich als Tante. Ja, und dann habe ich gespielt hier den Apanatschka `92, dann habe ich `93 den Buttler gespielt hier, dann habe ich Ende `93 den Stefan Kowalski in "Butterbrot" in Bremen gespielt, und dann `94 den Großen Wolf hier und Ende `94 noch mal den Kowalski in "Butterbrot", und - wie heiß ich jetzt? Gibson. TKM: ...ohne Vornamen...dafür reichte das Geld nicht... N.K.: Ohne Vornamen, ja...irgendwie haben die aber nie Vornamen. Der "Ölprinz" und der Butler 1993, die hatten auch keine Vornamen. TKM: Doch... (Zwischenruf Inke: Rhett Butler!) TKM: Bob Butler! N.K.: Die hatten wir uns doch selber gegeben. Wie nannt ich Joshy als Ölprinzen immer? Jim, oder? Nee, nee, die hatten auch keine Vornamen. Und jetzt spiel ich eben den Gibson. Naja, und dann - Kleinigkeiten im Fernsehen. TKM: Gibt es eine Lieblingsrolle, die Du schon gespielt hast oder die Du gerne mal spielen würdest? N.K.: Ja klar, der Stephan Kowalski, das ist eine absolute Lieblingsrolle. Der ist einfach wunderbar. Das Stück kann man ja eigentlich auch jahrelang spielen: Es ist so abhängig von dem, was man persönlich jetzt so durchmacht; das kann man ja alles mit in die Rollen nehmen. Also, wie man sich persönlich weiterentwickelt, so können sich auch die Rollen weiterentwickeln, und das finde ich einfach wunderbar, weil dieses Stück halt nie seine Gültigkeit verliert. TKM: Hast Du eine Lieblingsrolle bei Synchronarbeiten? N.K.: Nein, da habe ich überhaupt keine Lieblingsrolle. Was ich in der letzten Zeit ziemlich häufig synchronisiere, sind so Verrückte irgendwie, debile Killer oder irgend sowas, also immer so ein bißchen ausgerastete Leute; und das bringt eigentlich immer Spaß. Wo Du dann auch richtig agieren kannst. TKM: Was für Rollen reizen Dich insgesamt am meisten? N.K.: Wenn sie gut sind, alle. Also wenn sie in sich stimmig sind, wenn sie einfach so von der Figur, vom Background stimmen, reizen mich eigentlich alle Rollen. TKM: Was war bisher Dein größter beruflicher Erfolg? N.K.: Mein größter beruflicher Erfolg? Weiß ich nicht, kann ich nicht sagen. Ich hatte eigentlich noch überhaupt keine richtig großen beruflichen Erfolge. So kleine für mich so immer mal wieder zwischendurch, aber da kann ich jetzt keinen festmachen. Ich kann jetzt nicht sagen, Segeberg war mein größter Erfolg oder Bremen oder die und die Rolle im Synchron oder die und die Rolle vor der Kamera oder sowas. Kann ich nicht sagen, denn bis jetzt ist mein Leben so mit kleinen beruflichen Erfolgen gepflastert, und das gefällt mir eigentlich auch ganz gut. Mal gucken, ob sich da mal was einstellt, ob was Großes kommt, weiß ich nicht, steck ich ja nicht drin. TKM: Du machst Fernsehen, Werbung, man kennt Dich als Synchronsprecher, Du machst Theater - was machst Du am liebsten? N.K.: Alles. Also, für mich ist einfach so eine Abwechslung wichtig. Momentan bin ich schon bestrebt, im Fernsehen weiterzukommen, denn ich hab mich sechs Jahre lang im Synchron aufgehalten und habe da eine gewisse Qualität erreicht, die mich selber auch zufriedenstellt; also hab ich das Ziel eigentlich erreicht, das ich mir da irgendwann mal gesetzt habe. Weitere Ziele wären jetzt alles das, was ich noch nicht erreicht habe, also irgendwann vielleicht mal wirklich eine gute Sache vor der Kamera zu machen oder sowas. Ich hab jetzt ein oder zwei Sachen gemacht vor der Kamera - "Schwurgericht" (Anm. d. Red. eigentlich "Im Namen des Gesetzes"), den "Doppelten Einsatz", die sind aber noch nicht gelaufen - und mit denen bin ich eigentlich ganz zufrieden, aber wie´s danach weitergeht, weiß man ja nicht. TKM: Wie bist Du nach Bad Segeberg zu den Karl-May-Spielen gekommen? N.K.: Das Angebot, das kam irgendwie - ich habe "Charly´s Tante" gespielt am St.-Pauli-Theater, und den Charly, einen von unseren Kommilitonen, hat der Rolf Petersen gespielt. Und da habe ich den kennengelernt. Und dann gab es in Segeberg ja einen Intendantenwechsel, der Hick ging ja weg, und da wurde der Lederer ja gerufen, und der Lederer und der Petersen, die kennen sich ja nun vom Ohnsorg-Theater. Und da hat Lederer den Petersen wohl gefragt: "Ja, hast Du nicht Lust, bei mir da oben Regieassistent zu machen und vielleicht eben die Spielleitung zu machen?" Naja, und da ich mich mit Rolf gut verstanden habe, und da er wohl meinte irgendwie: "Ja, Mensch, das wäre doch ganz witzig, wenn Du da mitmachen würdest", da kam der Lederer irgendwann ins Theater und meinte, schauspielerisch könne er sich das sehr gut vorstellen - ja, und so bin ich dann hergekommen, und dann sind wir irgendwie einig geworden. TKM: Kanntest Du die Spiele vorher schon? N.K.: Ja. Ich kannte die von früher; meine Großeltern haben hier ein Haus. Und da war ich schon als Kind ein paar Mal hier. Außerdem spielten ja unheimlich viele Kollegen, die ich seit meinem fünften Lebensjahr kenne eben durch meine Eltern - ob das nun Reddemann war oder - wie heißen die denn alle? Wie heißt denn der, der hier immer den Häuptling gespielt hat? Maschmann, Edgar Maschmann und so - das sind alles Leute, die halt immer schon befreundet waren mit meinen Eltern, und daher kannte ich das, und dann war ich auch öfter mal hier. TKM: Spielst Du gerne hier in Bad Segeberg? N.K.: Sehr gerne! Sehr gerne. TKM: Was gefällt Dir an den Karl-May-Spielen - bzw. allgemein an Freilichttheater? Was gefällt Dir nicht? N.K.: Was mir nicht gefällt, das sage ich jetzt lieber nicht, sonst kann ich meinen weiteren Aufenthalt in diesem Theater - glaub ich - vergessen. Was mir gefällt? Weiß ich nicht, ich finde das einfach wunderbar! Das Wetter gefällt mir, die Leute gefallen mir, das Essen gefällt mir (lacht) - nein. Ja, nee, das ist die ganze Atmosphäre: Die ist einfach traumhaft, die ist durch nichts irgendwie ... Das ist einfach so eine ganz ... - das ist ein Gefühl. Das ist einfach so eine Art von Lebensgefühl, und das kann man schlecht beschreiben, aber das ist einfach ein gutes Lebensgefühl. TKM: Und was war bis jetzt Deine Lieblingsrolle hier in Segeberg? N.K.: Immer noch irgendwie Apanatschka, aber das hängt wohl - glaub ich - auch mit der ersten Einmaligkeit zusammen, denn im Grunde haben mir alle Rollen gefallen, in denen ich mit Joshy zusammen spielen konnte. Damit gefällt mir die Rolle dieses Jahr - auch gut. TKM: Das haben wir jetzt verstanden... N.K.: Nein. Also, ich meine, die Rolle an sich, die gefällt mir wirklich, die ist einfach gut. Ich vermisse nur halt den Konflikt irgendwie mit meinem Dicken (Joshy!) da. TKM: Was für ein Gefühl war das letztes Jahr, hier nur als Zuschauer zu sein, nachdem Du schon einmal mitgemacht hattest? N.K.: Ach - ein furchtbares irgendwo! Ich meine, es war wirklich notwendig mal. Gerade, wenn man jung ist und wenn man noch einiges so vor Augen hat - sich dann so an einen Ort zu ketten in der Zeit, wo eigentlich im Gewerbe am meisten los ist, ob das Fernsehen ist, ob das was weiß ich ist, das ist eine Gefahr. Ich wollte mich erstmal nicht abhängig machen hier, dann wollte ich mich auch noch mal ein bißchen anders orientieren und - nun, wie ich schon gesagt habe, irgendwie so die Fühler mal ausstrecken, was Fernsehen angeht und so. Also, das war wichtig, das wußte ich schon, aber da ging dann der Kopf gegen den Bauch. Und da hat der Kopf gesagt: "Paß mal auf, das ist richtig, was Du machst", und der Bauch hat mir gesagt: "Mensch, Scheiße, ich wäre gerne da unten jetzt dabei." Zumal das letztes Jahr eben auch eine ausgesprochen gute Inszenierung war. TKM: Du wirst häufiger als zukünftiger Winnetou hier gehandelt. Kannst Du Dir vorstellen, diese Rolle einmal zu spielen? Und wenn ja, wie? N.K.: Also, ich kann mir das schon vorstellen, diese Rolle hier irgendwann mal zu spielen, aber das steht noch überhaupt nicht zur Debatte. Wenn Gojko mal keine Lust mehr hat, oder es steht ein Wechsel an, und die fragen mich, dann würde ich sicherlich nicht unbedingt nein sagen. Ich kann mir schon vorstellen, daß die Rolle ganz interessant ist. Ja - wie würde ich sie spielen? Gut, vielleicht würde ich auf Grund meiner noch relativen Jugend die Rolle vielleicht ein bißchen jugendlicher anlegen, also dynamischer oder sowas, aber das ist halt so eine Auslegungssache. Andererseits muß Winnetou natürlich auch so einen gewissen Überblick und eine Weisheit haben. Ich müßte das, was Gojko auf Grund seines Alters und seiner Reife und seiner Persönlichkeit hat, und was ich nicht habe, durch andere Sachen ausgleichen. Und das wären dann natürlich die Sachen, in denen ich vielleicht Vorteile habe. Einfach ein bißchen dynamischer und mehr Power und so. TKM: Gibt es andere Rollen bei Karl May, die Dich reizen würden? N.K.: Dazu müßte ich endlich mal ein Karl-May-Buch lesen, glaub ich. Ich kann das gar nicht sagen. Weiß ich nicht, ich hab eigentlich keine Ahnung. Vielleicht würde mich wirklich irgendwann sogar mal ein Komiker interessieren oder sowas - dazu hätte ich auch Lust, glaub ich. TKM: Du singst in "Winnetou und der Scout". Wie kam es dazu? N.K.: Na - das stand im Text. Ich lese das Textbuch zu Hause, und erst dachte ich, das wäre ein Druckfehler, denn daß Gibson als Schurke singt, das kam mir schon sehr merkwürdig vor, und dann habe ich erstmal nachgefragt: "Sag mal, Ihr meint das doch jetzt richtig meinetwegen?" Gut, der Reiner Schöne kommt, bringt seine CD auf den Markt hier und ist ein Schlagersänger - nee, Schlagersänger, oh Gott oh Gott - also ist ein deutscher Rocksänger, und da dachte ich: "Naja prima, das ist ein Druckfehler, Ihr wollt doch sicherlich, daß der singt, und nicht, daß ich singe?" "Nee-nee, das ist schon richtig", und so weiter. Und dann hab ich nur zugesehen, daß dieses Gesangsstück eben so kurz wie möglich gehalten wurde. TKM: Wie gefällt Dir "Winnetou und der Scout" insgesamt - auch im Vergleich zu den anderen? N.K.: Also, im Vergleich zu `94 und `95 ist es keine Steigerung; im Vergleich zu `92 und `93 ist es aber nicht unbedingt schlechter. TKM: Was bedeuten Fans für Dich? Was hältst Du von Deinen Fans? Nerven sie Dich manchmal? Und gibst Du gerne Interviews? N.K.: Nö. Also, ich gebe nicht gerne Interviews, sie nerven mich aber auch nicht, und... (lacht) Nein, quatsch. Blödsinn. Also, Fans nerven mich überhaupt nicht; ich gebe gerne Interviews, besonders, wenn man so schön auf dem Rasen liegen und sein Alsterwasser trinken kann (So, nun wißt Ihr, in was für einer Umgebung wir das Interview geführt haben), und - was war das noch? TKM: Was bedeuten Fans für Dich? N.K.: Was bedeuten Fans für mich? Also, ich sage jetzt mal, das Allumfassendste oder der Applaus ist natürlich - von dem leben wir ja. Keiner stellt sich auf die Bühne und geht raus und sagt: "Ich hoffe, daß ich jetzt gar keinem gefalle." Also, man hofft natürlich, daß man gefällt, daß man ankommt und so weiter. Und wenn man das dann tatsächlich tut, dann freut es einen natürlich um so mehr. TKM: Was für Zukunftspläne hast Du - auch jetzt konkret nach den Spielen? N.K.: Nach den Spielen? Nach den Spielen werde ich erstmal heiraten. So - und dann werde ich sehen, was weiter passiert. Ich habe ein paar Fernsehsachen angeleiert, aber das steht alles so in den Sternen... TKM: Also so richtig konkrete Projekte noch nicht wieder? N.K.: So richtig konkrete Projekte nicht wieder, nein. Ich habe meine Sachen, mit denen ich mich ziemlich gut über Wasser halten kann; das ist so Werbung, Synchron. Da muß ich mich auch nicht mehr groß drum bemühen - die kommen auf mich zu, und es reicht, wenn ich einfach nur anwesend bin und die immer pünktlich zurückrufe. Ja, soviel zum künstlerischen Geldverdienen, was momentan ansteht, und dann muß ich eben sehen, daß ich irgendwie was Neues aushecke - ich habe keine Ahnung. Mal gucken. TKM: Was machst Du, wenn Du nicht auf der Bühne stehst? N.K.: Was mache ich, wenn ich nicht auf der Bühne stehe? Ich sitze liebend gerne in irgendwelchen Restaurants mit Freunden, esse, trinke - dezent... Was mache ich denn noch? Ja, wenn ich nicht auf der Bühne stehe, stehe ich im Synchronstudio oder im Werbestudio, oder ich sitze auf dem Bootssteg, trinke ein Bier, oder ich sitze zu Hause auf der Terrasse oder ich liege in der Badewanne oder ich treffe mich mit Freunden - und so. Also, ich habe keine Hobbies oder so. Nee, eigentlich nicht. TKM: Vielen Dank für das Gespräch! (Das Gespräch führten Nicole Schlanske, Hamburg, und Kathrin Mertens, Kiel) |