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Ein Wohnzimmer ist auf der Bühne zu sehen. Hinter einer Trennwand läßt sich die Küche vermuten. Stefan räumt gerade auf, als Martin hereinstürmt, ein Paket in der Hand. Martin: Hallo! (Keine Antwort) Martin: Hallo! Stefan: Hallo. Martin: Was sind denn das für Vibrationen im Raum? (Guckt Stefan an, keine Reaktion) Ah ja... Hey, was ist los? Stefan: Entschuldige bitte, aber ich bin jetzt wirklich nicht in der Stimmung, mir Deine... Martin: Schon gut, schon gut. (Pause) Sag mal, wo sind meine Comics? Stefan wirft demonstrativ einen großen Müllsack in Richtung Tür. Martin: Also komm', was ist der Grund Deiner... Stefan (unterbricht ihn): Wie spät ist das jetzt bitte? Martin: Oh, ähm, beim nächsten Gongschlag ist es zwanzig Uhr, fünf Minuten und fünfzehn Sekunden. Dong! Stefan: Komm' schon, Du weißt ganz genau, daß ich heut' noch zur Vorstellung muß, ja? Martin: Die eine Stunde... Stefan: Die eine Stunde? Die eine Stunde? Die hätte ich weiß Gott was Besseres zu tun gehabt als das Geschirr abzuwaschen und die ganze Wohnung aufzuräumen! Warum ist Frau Klinford heute nicht gekommen? Martin: Frau Klinford kommt immer am Dienstag. Stefan: Ach? Gestern haben wir aber besprochen, daß Du heute, bevor Du das Haus verläßt, die Klinford anrufst, damit sie heute schon kommt und saubermacht, weil wir heute abend Gäste bekommen. Oder bin ich jetzt schon blöd? Martin (sich vor den Kopf schlagend): Oh nee, alles, was Du sagst, ist richtig! Stefan: Ja. Das kann ich von Dir leider nicht behaupten. Martin: Entschuldige bitte, ich war mit meinen Gedanken ganz woanders. (Stefan sieht immer noch verärgert aus) Es tut mir leid! (Als Stefan immer noch keine Reaktion zeigt, fällt Martin vor ihm auf die Knie und fleht:) Es tut mir leid, daß ich Dir solche Schwierigkeiten mache, wo Du doch heute noch Theater spielen mußt und Deine Gedanken für etwas Wichtigeres brauchst als diese dumme Hausarbeit, für die ich vergessen habe, Frau Klinford kommen zu lassen, die uns die Scheiße gewöhnlicherweise vom Halse hä-ält. (Er steht wieder auf) Ich bitte Dich um Verzeihung. Stefan (sauer): Du bist ein blöder Hund. Martin: Ja, ich bin ein blöder Hund. Und ich danke Dir, daß Du mir hilfst, mich zu erkennen. Du denkst, also bin ich. Stefan (sarkastisch): Ah, ha ha ha. Martin: Immerhin dient es ja auch einem edlen Zweck, nicht wahr? Stefan: Was? Martin: Daß Du uns diesen Abend so gemütlich machst. Stefan: Was soll das? Martin: Komm', ich hab' Dich das letzte Mal genau beobachtet. Stefan: Wann? Martin: Letzten Freitag, beim Chinesen. Als wir das erste Mal zu viert Essen waren. Das Ehepaar Steiner, Du und ich. Stefan: Und? Martin: Lily ist doch eine wunderschöne Frau. Stefan (verstehend grinsend): Lily ist 'ne ganz tolle Frau, ja! Martin: Und dafür kann man doch mal 'ne Stunde lang aufräumen. Stefan: Oh Scheiße, glaubst Du, sie hat was gemerkt? Martin: Weiß' ich nicht, aber vielleicht bist Du heute mal ein bißchen weniger deutlich. (verächtlich) Schauspieler! Stefan: Pah! Martin (deklamierend): Heideröslein, Röslein rot... Stefan: Was soll ich denn machen, wenn sie sagt, daß das ihr Lieblingsgedicht ist? Martin: Nichts! Sag' es auf, sing' es, zeig' es, gib' es. Nur nicht so laut. Nicht so, daß der ganzen Laden merkt, daß Du meinem Freund die Frau ausspannen willst. Und vorallem er. Stefan: Wenn sie es will. Martin: Wollen, wollen, alle Frauen wollen. Stefan: Ja, weg von ihren Männern. Martin: Apropos Frau. Geh' ich weg aus dem Büro, um rechtzeitig hier zu sein, da steht unten in der Halle ein Wahnsinn. (genüßlich) Blond, schwarzer Lederrock... Stefan (fassungslos): Nein. Martin: ...schwarze hohe Stöckelschuhe... Stefan: Nein. Martin: ...und... Stefan: Oh nein. Martin: ...schwarze... Stefan: Neinnein. Martin: ...Nahtstrümpfe! Stefan: Nein. Martin: Doch. Stefan: Naja, und das Gesicht? Martin: Wunderschön...Naja, vielleicht ein bißchen blaß, etwas verloren, ein wenig...(sucht nach dem richtigen Wort) Stefan (bedeutungsvoll): Hilflos. Martin: Genau. Stefan: Mußtest Du helfen? Martin: Mußte ich helfen. Gehe hin, sage "Hallo. Kann ich helfen?" Sagt sie "Ja. Ich suche Herrn Martin Sterneck." Stefan: Nein. Martin: Doch. Sage ich "Ja, der bin ich." Stefan: Nein. Martin: Doch. Sagt sie - lacht so ein bißchen...(sucht wieder nach dem richtigen Wort) Stefan: Hilflos. Martin: Hilflos, genau. Sagt sie, ein Kollege von mir, mit dem das Büro das Haus geplant hat, hätte ihr meinen Namen gegeben. Sie möchte nämlich ihre Wohnung umbauen. Stefan: Das macht mich traurig, sowas... Martin: Das muß Dich nicht traurig machen. Stefan: Weiter! Martin: Frage ich "Wo wohnen Sie". Sagt sie "Gleich zwei Straßen weiter hinauf." Stefan: Nein. Martin: Doch. Wir gehen zu ihr... Stefan: Nein. Martin (irritiert): Doch. Stefan: Naja, und? Martin: Nichts und. Wir haben geredet über Architektur und Wohnen. Stefan: Aha. Und sie Vernunft hier? (Deutet auf seine Stirn) Martin: Oja, Vernunft hier (deutet auch auf seine Stirn), aber nicht nur. Alles sehr gut. Wir in die Wohnung. Sie lacht schon ein bißchen lauter, ich lache auch schon ein bißchen lauter, wir sind schon fertig...(bricht mit einem verträumten Lächeln ab) (Pause) Stefan (resigniert): Mein Gott, Du mußt ja nicht weiter erzählen, nicht? Martin: Na hör mal, das ist keine Beichte, das ist lediglich eine Rechtfertigung für die Tatsache, daß ich eine Stunde... Stefan (ungeduldig): Naja, komm', ihr in der Wohnung und was dann? Martin: Neinneinnein. Ich die Wohnung angeschaut, Termin gemacht. Sie mir Tee angeboten, ich "Danke nein, mein Freund wartet zu Hause." Stefan: (leidend): Och Gott, jetzt bin ich wieder schuld... Martin: Sie "Aha. Sehen wir uns wieder?" Ich "Das wird sich nicht vermeiden lassen." Und zum Schluß fast ein Kuß. Hierher. (Deutet auf sein Kinn) Stefan (fassungslos): Wahnsinn! Martin: Zufrieden? Stefan: Zufrieden. Beide klatschen ihre Hände aneinander. Beide: Hippedihoppedi, heiheihei. Stefan: Name? Martin sieht ratlos aus. Stefan: Naja, wie heißt sie? Martin: Weiß' ich nicht. Stefan (erstaunt): Was? Martin: Ja, ja, ich weiß es nicht, ich hab' vergessen zu fragen. Ach, das war irgendwie gar nicht so wichtig. (bedeutungsvoll) Engel haben keine Namen. Stefan: Engel haben keine...(stutzt, schlägt vor die Stirn und brüllt erschrocken) Um Gottes Willen, das Essen. (stürzt in die Küche) Jetzt müssen sie jeden Moment kommen! Martin (schnuppert): Mein Gott, riecht das hier gut. Stefan: Kein Wunder, da hat jemand gekocht! Martin: Woher weiß Du...Laß' mich raten! (überlegt) Peking-Ente! Stefan: Curry-Huhn. Martin: Och. Aber sag' mal, da ist noch irgendwas anderes, so süß und schwer... Stefan (stolz): Die Torte! Martin (erschrocken, läßt das Paket hinter seinem Rücken verschwinden): Die Torte? Stefan: Die Torte! Martin: Oh, Du hast eine Torte gemacht? Stefan: Ja. Mit Apfelsinenstückchen und Mandelsplittern, ganz wie ausgemacht. Martin: Ein Fest... Stefan: Ein Fest. Wie alt wird er, sagst Du? Martin: Fünfunddreißig. Stefan: Fünf mal sieben, das ist ein guter Abschnitt. Widder? Martin: Widder. Ich glaube, mit Skorpion-Akzendent. Stefan: Das kann ich ja mal ausrechnen. (bedeutungsvoll) Sie ist Zwilling mit Löwe... Martin: Du hast schon nachgeschaut? Stefan (nickt): Sie paßt ausgezeichnet zu mir. Ihre Venus steht genau in Konjunktion zu meinem Mars... Martin: Wäre umgekehrt nicht besser? Stefan (verärgert): Das ist ja sinnlos mit Dir, vollkommen sinnlos! Was ist in dem Paket? Martin: Welches Paket? (guckt sich um) Oh, ein Paket...Egal. Stefan: Nun komm', was ist drin? Martin (flüsternd): Die Torte... Stefan: Was bitte? Martin: (brüllt): Die Torte! (entschuldigend) Herrgott, ich hab's vergessen, daß Du...ich hab's vergessen, jetzt schau' mich nicht so an! Stefan (wütend): Du kannst sie ja Deinem Engel schenken! Martin (erstaunt): Ach, siehst Du, hervorragend! Wahrscheinlich hab' ich das unbewußt geplant, ohne es zu wissen... Stefan: Das hat das Unbewußte mal irgendwie so an sich, oder? Martin (zeigt auf Stefan): Bleib'! Merk' Dir genau, wie Du jetzt schaust! (nimmt das Silbertablett vom Tisch und hält es Stefan als Spiegel vor die Nase) Das kannst Du sicher morgen bei der Probe gut gebrauchen! Stefan (betrachtet sein Gesicht; deklamierend): Hast Du zu Nacht gebetet, Desdemona? Martin: Denk' an die zweite Torte und Du bist Othello! Stefan (resigniert): Ich will heut' nicht Theaterspielen gehen... Martin: Dann spiel' nicht! Stefan: Spiel' nicht... Martin: Ist es immer noch so schlimm? Stefan: Es wird immer ärger! Martin: Ach' komm', sei doch froh, daß Du heute nur so einen kurzen Auftritt hast. Denk daran, Deine Kollegen stehen schon seit anderthalb Stunden auf der Bühne, während Du im letzten Akt hereinschneist, alles mit einem einzigen Monolog aufklärst, ja, und um halb zwölf bist Du schon wieder hier! Stefan: Vier Stunden, das ist der helle Wahnsinn! Martin: Schreib' einen Leserbrief. Stefan (seufzend): Sinnlos, vollkommen sinnlos. Widerstand des Publikums bestätigt dem Regisseur nur, daß er gegen den Strom schwimmt. Jedes Genie kämpft gegen den Strom, also ist Widerstand des Publikums nur Beweis für die Genialität des Regisseurs. Martin: Du hast es schwer. Stefan: Ja, das kannst Du laut sagen. Martin (laut): Du hast es schwer! Stefan: Ich hasse diesen Beruf, ich hasse ihn! (deklamierend) Auf dürren Brettern voller Staub wird Herzensblut zu welkem Laub. Ein ewig' Streben, ewig' Flehn' seh' ich zu eitlem Tann' zergehen...Ohhh. Martin (bewegt): Du bist eben ein Dichter. Stefan: Ohhh, ich weiß' es. (eindringlich) Und ich sage Dir eins, eines Tages wird sich nach zwei Stunden Spieldauer der Vorhang über eines meiner Stücke senken und die Leute werden bedauern, daß es schon aus ist. Und sie werden sagen "Was? Schon aus? Das ist aber schade!" Und dann, dann werden sie in ein Restaurant gehen, wo die Küche natürlich noch auf hat und ihnen wird wie immer völlig gleichgültig sein ,was sie da eben zwei Stunden lang gehört haben. Aber auf meinem Grabstein wird stehen" Ein Hoch dem Erfinder des küchenfreundlichen Theaterabends". Gewidmet von den Restaurationsbetrieben der Stadt...(resigniert) Ich bin ein Versager... Martin (lachend): Ja, Du bist ein Versager. Hey, komm', Du Versager, wir zünden die Kerzen an. Stefan: Ja, zünden wir die Kerzen an. Es klingelt an der Tür. Martin: Ich mach' auf! Er geht zur Tür. Peter stürmt herein. Peter: (hysterisch lachend): Ich bin ein freier Mann! Ich bin ein freier Mann. Stefan und Martin gucken sich verständnislos an. Peter: Freunde, tut das gut, bei Euch zu sein. Ich sage es Euch, der Mann ist geboren, um frei zu sein. Ich bin ein freier Mann...Wegwegwegweg. (schubst Martin aus dem Weg) Entschuldigt, aber, ich bin etwas erregt, ich bin erregt! Stefan (achselzuckend): Naja... Peter: Ich bin zu Euch gefahren, wie die Feuerwehr. Ich sage es Euch, manchmal...(seufzt) Ach, es ist so schön, bei Euch zu sein. Stefan (vorsichtig): Wo ist denn Lily? Peter (unbekümmert): Ich weiß es nicht, das ist mir egal. Zu Hause, im Kino, im Dschungel, auf dem Klo? Das ist mir egal, ich bin ein freier Mann. Stefan (kopfschüttelnd): Alles klar... Peter: Alles klar? Nichts ist klar! Doch, doch, doch, alles ist klar! Es gibt Momente...(er stockt) Entschuldigt, aber ich muß es einfach rauslassen, bevor ich platze...bevor ich platze! (brüllt) Ich bin ein freier Mann! (fängt an zu schluchzen)...Ihr fragt Euch sicher, wo meine bezaubernde Frau geblieben ist. Stefan und Martin (ironisch): Nein, nein, neinnein. Peter: Es gibt Momente im Leben, an denen man Zeichen setzen muß, deutliche Zeichen, die jeder verstehen kann, so wie...Bojen, Bojen im Wasser, wo ich schon von weitem sehe "Aha, eine Boje. Dort muß ich nach linkssegeln, sonst werde ich disqualifiziert, das Rennen ist für mich gelaufen." Der Mensch hat ein ganz wunderbares Mittel, solche Bojen in jeder gemeinsamen Beziehung zu setzen. Das ist die Sprache, die menschliche Sprache! (fängt wieder an zu schluchzen)...Aber wem sage ich das? Hier steht ein Schauspieler und Dichter, der weiß, wie man Worte setzen muß. (Zeigt auf Stefan) Stefan lacht sarkastisch. Peter: Ihr fragt Euch sicher, worauf will er hinaus. Stefan und Martin (ironisch): Nein, nein, neinnein. Peter: Ich bin seit Jahren, ich bin seit fünf Jahren verheiratet und ich versuche mich seit fünf Jahren verständlich zu machen. Ich versuche, mit meiner Frau ruhige Gespräche zu führen, die mir zeigen sollen, wie sie denkt und die ihr zeigen sollen, wie ich denke. Und was ist das Ergebnis? (bedeutungsvoll) Ich stelle fest, sie denkt nicht! Sie tut nur so, als würde sie denken. Frauen können gar nicht denken! Und wenn, dann denken sie nur uns zuliebe. Frauen tarnen sich hinter denkähnlichen Äußerungen, damit wir glauben sollen, sie seien Menschen. Frauen sind aber gar keine Menschen, wahrscheinlich nicht einmal Tiere...sondern viel gefährlicher. Bei einem Tier sehe ich schon von weitem "Aha, ein Tier!" Aber Frauen...Frauen sind menschenähnlich und das ist das Teuflische. Teufelsfallen für Männer auf der Suche nach menschlichen Beziehungen. Aber bitte sehr, ich habe damit nichts mehr zu tun, ab heute ist damit Schluß, ab heute bin ich ein freier Mann! (seufzt tief) Wollen wir was trinken? Martin: Ja... Stefan (nachhakend): Sie kommt also heute nicht? Peter: Nein, meine Frau kommt heute nicht. Ich darf meinen Geburtstag mit meinen lieben Freunden verbringen. Los, Jungs, laßt uns was trinken. Stefan geht zum Tisch und räumt demonstrativ das vierte Gedeck für Lily weg. Martin (vorsichtig): Vielleicht eine Andeutung, warum... Peter: Wenn ich anfange, Andeutungen zu machen, sitzen wir in vier Stunden noch hier. Stefan (zynisch): Um Gottes Willen, bloß das nicht. Peter: Ich sage nur soviel. Ich habe die längste Zeit, und es ist mir völlig egal, was ihr von mir denkt, ich nehme jetzt kein Blatt mehr vor den Mund, ich habe die längste Zeit ein Leben gelebt, das nichts mit mir zu tun hatte. Heute ist mein Geburtstag, ab heute ist damit Schluß, ab heute bin ich ein freier Mann. Ich erkenne und ich weiß, daß ich bisher ein Leben gelebt und meine eigene Natur verleugnet habe, nur um die angenehmen Seiten, die man im Zusammenleben mit Frauen erfährt, nicht zu verlieren. Ab heute ist damit Schluß, ab heute bin ich ein freier Mann. Martin: Wollen wir was trinken? Peter: Ich bitte darum. Etwas Klares, etwas Starkes...eine Boje! (schnuppert) Hmmh, gut riecht das hier. Hunger habe ich... Martin (zeigt auf Stefan): Er hat gekocht. Stefan: Ja. Peter (begeistert): Hervorragend. Ein Abend mit Männern, stark und klar. Ein klarer Schnaps und ein Steak...und ein Stück Brot. (Sie stoßen an) Kein Wischiwaschi mehr. Kein Alternativenfraß. In der letzten Zeit gab es immer weiche Küche aus Südost. Ich kann es nicht mehr sehen! Nichts schmeckt so, wie es schmecken soll, süße Gurken, saurer Zucker, ekelhaft! Allein in der letzten Woche gab es bei uns zweimal Curry-Huhn und dreimal Peking-Ente! (Stefan erstarrt) Stefan (resigniert): Prost! (Zwischenmusik) Stefan, Peter und Martin sitzen am Tisch und sind gerade mit dem Essen fertig. Peter: Es war hervorragend. Stefan (unwirsch): Nein, Du mußt jetzt nicht, nur weil ich das Essen gemacht habe... Peter: Entschuldige bitte, aber ich konnte ja nicht wissen...es war wirklich hervorragend. Es war...deutlich gekocht. Wenn du weißt, was ich damit meine. Stefan: Ungefähr, ja. Peter: Und ich glaube, nur wer deutlich denkt, kann auch deutlich kochen. Stefan: Prost. (Sie stoßen an; Stefan schaut auf die Uhr) Kinder, Mensch, ich muß ja schon längst los. (steht auf) Peter: Schade. Stefan: Naja, ich bin ja bald wieder da. Peter: Spiel' einfach schnell! Stefan: Klar. Martin: Ach, bringst Du die Zeitung für morgen mit? Stefan: Als ob ich das jemals vergessen hätte! Martin: Entschuldige, war ja nur so gesagt. Stefan: Lebt wohl! Gott weiß, wann wir uns wieder sehen? Peter kriegt einen Lachanfall Martin: Ich hoffe, um halb zwölf. Stefan: Ciao. (Stefan geht zur Tür) Martin: Ciao. Peter: Ciao. Martin (fängt an, abzuräumen):Achso, entschuldige bis Du fertig? Peter (seufzend): Ja. Es tut mir leid wegen dem Essen. Martin: Das macht doch nichts. Peter: Und dabei war der Curry-Hahn wirklich hervorragend. Aber ich glaube, es kommt auch darauf an, wie man sich fühlt. Martin: Sag' mal, was ist eigentlich los? Peter: Also, ich wollte vorhin nicht so vor ihm, weißt Du. Martin: Ja, alles klar. Peter: Ich meine, Du weißt, ich mag ihn wirklich gern, aber... Martin (unterbricht ihn ungeduldig): Ja, schon gut, alles klar. Peter (verzweifelt): Verdammt, wie fange ich nur an? Martin: Am besten beim Anfang. Peter: Ja. (Pause) Ich glaube einfach nicht, daß der Mensch dazu geschaffen ist, sein Leben nur mit einem Menschen zu leben. Also, es gibt vielleicht Leute, die das können, aber ich kann es nicht. Vielleicht kann sie's, aber ich kann es nicht. Ich hab' versucht, ihr treu zu bleiben...solange es geht. Bei mir geht das halt nicht so für immer...(brüllt) Und außerdem ist das bei einem Mann was anderes. Ich hab's drei Jahre lang ausgehalten, das ist für mich eine enorm lange Zeit. Ich meine, Du weißt, was los war, bevor ich Lily kennengelernt habe... Martin: Ohja. Peter: Naja, nach drei Jahren habe ich in Florenz diese Frau kennengelernt, Du erinnerst Dich? Ich hab' Dir damals ein paar Fotos von ihr gezeigt. Das war einmal und Lily hat ja auch nie etwas davon erfahren und ich dachte, alles wäre gut...Ich hab' dann später noch ein paar Mal und prompt ist sie mir drauf gekommen...Wir haben dann sehr viel geredet miteinander und ich habe ihr gesagt, daß das mit meiner Liebe nichts zu tun hat, daß das was anderes ist und sie hat damals gesagt "Okay. Wenn Du tust, was Du willst, dann tu' ich auch, was ich will." Martin: Alles klar. Peter: (ungläubig): Alles klar? (brüllt los) Ich habe ihr gesagt, das ich das für die saublödeste Einstellung halte, die es gibt! Aber bitte sehr, wir haben uns dann darauf geeinigt, daß wir weitermachen, wie bisher, daß wir uns nicht fragen, was der andere macht, wenn man sich mal ne' Zeitlang nicht sieht. Du weißt, sie fährt manchmal weg und ich bleibe länger im Geschäft und so. Heute gehe ich ins Schlafzimmer, ziehe mich um, freue mich so richtig auf den Abend...und finde einen Brief...(dreht sich zu Martin um) Ähm, Du kannst Dir denken, was los ist? Martin (achselzuckend): Nein. Peter zieht einen ziemlich zerknitterten Zettel aus der Hosentasche, seufzt schwer und fängt an, vorzulesen. Peter (zynisch): Mein liebstes Wildkätzchen. Mir kommt es vor wie eine Ewigkeit. Ich träume davon, Dir in Deinen Hals zu beißen und Dir den Rücken blutig zu kratzen, so wie ein Panther, der im Dschungel seine Katzen überfällt und so weiter. (läßt den Zettel sinken) Ich hab' gedacht, ich bringe sie um. Wir haben uns, glaube ich, drei Stunden lang angeschrien (bedauernd) und dann habe ich meine beiden Stühle zertrümmert, die mit der schönen Korblehne, weißt Du. Martin: Nein! Nicht die mit der Korblehne! Peter: Ja. Dann bin ich gegangen. Und dann hat sie im Treppenhaus, so daß das Haus es hören konnte, nachgeschrien, daß ich nicht wiederkommen solle und dann bin ich zu Euch. Martin (hat inzwischen den Brief in der Hand und liest ihn): Ajeijeijeijei... Peter: Ja. Martin (liest immer noch): Ja, aber ich... Peter: Was? Martin: Ach Du Scheiße...(Peter reißt ihm energisch den Brief aus der Hand) Peter (laut): Da lebt man nun fünf Jahre lang mit einem Menschen unter einem Dach und dann muß man lesen, daß sie eine Katze ist, die den Rücken zerkratzt haben will von einem fremden Panther! (begreifend) Jetzt weiß ich natürlich auch, warum sie nicht mit mir duschen wollte und warum sie im Bett immer dieses Nachthemd getragen hat...wo sie doch nie Nachthemden an hat! (brüllt) Höchstens Strapse! Die habe ich ihr alle zerrissen! Martin (fassungslos): Was? Peter (schwärmerisch): Ich hab' ihr, glaube ich, dreißig oder vierzig Strapse gekauft, weiß, schwarz, rosa und so ganz kleine Tangas...Wahnsinn! (lächelt bei dem Gedanken; brüllt dann wieder) Die habe ich ihr alle zerrisssen, bevor ich gegangen bin! Martin: Nein. Peter (erregt): Oder glaubst Du, ich investiere, damit ihr ein fremder Panther den Rücken zerkratzt und sie hat dabei meine Strapse an, nein! Martin: Ja, aber, ich verstehe nicht, wenn ihr nicht fragen wolltet, was der andere macht... Peter (unterbricht ihn): Ich hab' ja nicht gefragt. Ich hab' den Brief gefunden, was soll ich denn machen? Martin: Wo? Peter (zerknirscht): In ihrem Rock...naja, so ein Rock mit Taschen. Martin: Was schaust Du da denn auch rein? Peter (energisch): Es interessiert mich eben, was sie so treibt, wenn sie allein ist. Immerhin ist sie meine Frau! Martin: Ja. Peter (von Selbstzweifeln geplagt): Oder? (Zwischenmusik) Das Telefon klingelt. Peter fährt erschrocken zusammen und verschluckt sich fast an seinem Drink. Martin macht Anstalten, aufzustehen und zum Telefon zu gehen. Peter: Das ist sie. Laß' läuten...laß' läuten. Martin: Es könnte aber auch für mich sein. Peter (wirft Martin einen zweifelnden Blick zu): Neeeiiiin. Laß' läuten. Das Telefon klingelt immer noch. Martin: Wenn es aber doch für mich ist? Peter (fängt an zu lachen): Wer soll Dich denn schon noch so spät anrufen? Martin geht zum Telefon und nimmt ab. Peter: Sag', ich bin nicht da...oder gib sie mir! Martin (ihn ignorierend): Hallo? Peter: Gib' sie mir! Martin (zu Peter): Hör auf! (ins Telefon) Nein, neinnein, ich hab' mit einem Freund geredet...Nein, einem anderen. Ja, ich bin selten allein. (lacht; Peter äfft ihn ironisch nach) Ja...ja, ich freu' mich auch, daß wir uns getroffen haben...ja, sicher. Peter (laut): Männer lügen gern am Telefon! Martin (genervt): Ruhe!...Nein, nein, er ist in der Küche. Peter (außer sich): Ich bin nicht in der Küche, Lily! Martin (brüllt): Schluß jetzt, es ist nicht Lily! Peter: Entschuldige bitte. Martin (ins Telefon): Nein, wir feiern Geburtstag...fünfunddreißig...Nein, er hat noch keine grauen Schläfen...(Peter betatset wie ertappt seine Haare)...Ja...ja, paß' auf, wir treffen uns morgen bei Dir in der Wohnung und dann bring' ich die Pläne mit und dann bauen wir Dir eine ganz neue schöne Burg. Peter (kriegt einen Lachanfall; sarkastisch): Und ich bin der schwarze Ritter! Martin (ihn ignorierend): Ja, gut, dann bis morgen...Ciao! (legt auf und dreht sich mit verträumten Gesichtsausdruck zu Peter um) Peter (guckt ihn mit schiefgelegtem Kopf an): Wer war das? Martin: Weiß' ich noch nicht! Peter (mit Kleinjungenstimme): Bist Du verliebt? (keine Antwort; laut) Es gibt nichts Blöderes als die Liebe und nichts Blöderes als die Weiber! Martin: Also, ganz so denke ich nicht! Peter (leicht angetrunken): Warst Du schon verheiratet? Martin: Nein. Peter: Dann kannst Du überhaupt nicht mitreden. Martin (verwundert): Wo ist denn da der Unterschied? Peter: Der Unterschied, mein Freund, liegt im Anspruch! Wenn Du Deiner kleinen Miezekatze da eine Burg baust, dann weiß' sie "Aha. Mein Prinz bleibt nur für ein Turnier und dann...Ciao-ciao." Wenn der Anspruch aber plötzlich lautet "...bis der Tod Euch scheidet", (mit Grabesstimme) bist Du ihm auch schon einen Schritt näher... Martin: Du, sag' mal, glaubst Du nicht, daß Du die ganze Sache etwas zu einfach siehst? Peter (mit schwerer Zunge): Jede Weisheit ist einfach. Meine Frau hat mich betrogen, ich habe mich betrunken, wir lassen uns scheiden, alles ist aus...Ich weiß genau, wenn mich meine Frau, (betont) meine ehemalige Frau einmal weinen gesehen hätte, hätte, sage ich, hätte ich verloren gehabt. Das ist nämlich eine ganz gemeine raffinierte Falle! Martin: Was? Peter: Der neue Mann! Der sanfte, neue, zärtliche Mann, der auch mal weinen kann und nicht nur Muskeln hat. Ich sage Dir, was Frauen brauchen, wirklich brauchen, ganz tief drin. (brüllt) Das ist einer, der ihnen sagt, wo's langgeht! (Pause) Die Frau...die Frau...die Frau hat an der Entwicklung der Menschheit viel weniger teilgenommen als der Mann! Und das Weibchen wird immer spüren, daß sein Männchen ihm überlegen ist, wegen der Fortpflanzung und so, der Genetik, Du weißt, was ich meine. Martin (genervt): Ja, ich weiß', was Du meinst... Peter: Und wenn sie jetzt behaupten, daß der Mann auch mal weinen soll, dann ist das eine ganz gemeine raffinierte Falle, womit sie die Genetik testen... Martin: Aha. Peter: Die Frau weint, wie sie will, wo sie will und jeder macht mit ihr, was er will. Jetzt weiß die Frau aus eigener Erfahrung, daß man ein Verlierer ist, wenn man Gefühle hat und keine Frau will ein Mann sein, der Verlierer ist! Äh, ähm, keine Frau will einen Mann haben, der Verlierer ist und wenn Du Dich jetzt gehenläßt, dann stecken sie Dich in die Tasche...(seufzt) Martin (kopfschüttelnd): Also, ich hab' das eigentlich noch nie... Peter (unterbricht ihn): Weil Du's richtig machst, mein Freund. In der Kürze liegt die Würze. Bei den Mädels, die ich auf dem Wochenende habe, lasse ich mich auch immer so richtig gehen, (schmachtend) ach, so mit Gefühl und so...Da habe ich auch keine Angst, daß sie mir einen Strick daraus drehen. Aber in der Ehe... Wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe... (schluchzt) Martin: Ich glaub', ich mach' mal einen Kaffee. Peter (klatscht ihm auf den Po): Ja! (Martin geht kopfschüttelnd in die Küche) Du glaubst, ich bin betrunken? Martin (ausweichend): Oh nein, neinnein... Peter: Du hast recht, ich bin betrunken. Es klingelt mehrmals an der Tür. Peter schrickt auf. Peter: Mach' nicht auf, das ist sie! Sie will mich holen und sich entschuldigen! Sag' ihr, ich bin schon weg! Martin ignoriert ihn und öffnet die Tür. Stefan kommt herein, mit einem äußerst desolaten Gesichtsausdruck. Martin: Ach, Du bist es. Stefan: Ich hab' den Schlüssel vergessen... Peter (erregt): Wo ist sie? Stefan betrachtet ihn wie einen Verrückten. Stefan (tonlos): Sie haben gehustet. Martin: Was? Stefan (nachdrücklich): Sie haben gehustet!...Ich habe mich heute eine Stunde weniger vorbereitet, aber ich habe mich vorbereitet! Ich habe seit fünfzehn Uhr nichts mehr gegessen, habe mein Curry-Huhn nur gerochen! Habe meinen Geist, meine Sinne wach gemacht, meine Stimme gepflegt...und bin so wieder einmal vor eine gedankenlose, unkonzentrierte, hustende Meute getreten. Ich bin verwundet worden mit der Bereitschaft, mein Wesen zu zeigen, mit der Bereitschaft, diese Leute auf eine andere Ebene zu entführen, mit den Vibrationen meiner Existenz ihr Dasein ein wenig zu verändern...Ich habe mich verwundbar gemacht, um an das Verwundbare in ihnen zu appellieren. Und sie? Und sie? Sie haben gehustet... Peter (interessiert): War gemischtes Publikum? Tja, er hätte vor Männern spielen sollen! Stefan (ihn ignorierend): Aber heute! Heute war's soweit. Ich habe gesagt, was ich denke! Ich habe gesagt (er tritt etwas nach vorne) "Meine Damen, meine Herren, hochverehrtes Publikum! Es tut mir schrecklich leid, daß wir Sie langweilen. Es tut mir auch schrecklich leid, daß Sie Ihr beschissenes Abonnement gerade heute abend dazu zwingt, hier unten zu sitzen. Ich wollte eine Bühne immer nur betreten, um Ihnen mein Herz zu zeigen...aber so geht das nicht! Und darum werde ich jetzt gehen...(schulterzuckend) Auf Wiedersehen" Dann ist der Vorhang gefallen, (anklagend) mir fast auf den Kopf! Die Vorstellung wurde abgebrochen. Peter (nachdenklich): Irgendwie ist in dem heutigen Tag der Wurm drin... Stefan (laut): Und ob! (Zwischenmusik) Einige Zeit und einige Gläser Alkohol später. Martin: Was soll denn jetzt werden? Stefan (unwirsch): Ich weiß' nicht. Martin: Ja, aber... Stefan: Was soll sein? Peter (erklärend): Er ist ein freier Mann! Stefan: Das kannst Du laut sagen. Peter (laut): Du bist ein freier Mann! Martin (aufgeregt): Moment mal, bitte... Stefan (unterbricht ihn): Für jeden Mann kommt irgendwann der Moment in seinem Leben, da muß er sich am nächsten Tag ins Gesicht gucken können. Peter: Genau. Stefan: Und heute, das war für mich so ein Tag. Martin: Ja, aber... Stefan: Kein Aber. Martin: Ja, aber, vielleicht mußt Du Strafe zahlen! Stefan lacht kurz und zynisch. Peter: Nun laß ihn mal in Ruhe. Ich kann das sehr gut verstehen... Stefan (ärgerlich zu Martin): Was hätte ich denn machen sollen? Mich die nächsten dreieinhalb Jahre bei Dir ausheulen und nie was tun? Peter: Du hast das Richtige gemacht. Stefan (nachdenklich zu Peter): Weißt Du, warum die Leute Schauspieler verachten? (Peter nickt eifrig) Nee. Weil sie lügen! Ich will nicht mehr lügen! Es gibt Leute, die gehen wegen des Geldes, aber ich bin jemand, der gegangen ist wegen seinem Herzen und genau aus diesem Grund gehe ich auch jetzt wieder weg...(starrt nachdenklich in sein Glas) Peter: Du kannst bei mir arbeiten. Stefan (grinsend): Danke! Ich wollte immer schon Schuhverkäufer sein. (zu Martin) Baust Du Häuser ohne Dach? Martin: Nein. Stefan (zu Peter): Verkaufst Du Schuhe ohne Sohlen? Peter: Ich würde mich schämen. Stefan: Warum soll ich dann mit einem Haufen Lügnern auf der Bühne stehen und mitlügen? Peter: Das verstehe ich. Stefan: Ich hab' nen' Freund... Peter (halbbetrunken): Zwei! Stefan: ...und mein Gewissen, was braucht man mehr? Peter (lacht): Keine Frauen! Alle drei schon angetrunken, brechen in schallendes Gelächter aus. Stefan: Und allein dafür lohnt es sich doch, oder? (er erhebt sein Glas zum Anstoßen) Prost! Morgen lachen wir darüber. Martin (zu Stefan): Komm' mit. Stefan: Wohin? Martin: Komm' mit. Stefan: Wohin? Martin (brüllt ungeduldig): Komm' mit! Stefan steht auf. Peter (niedergdrückt): Ich will auch mit. Martin (energisch): Du bleibst da. Peter: Warum? Martin: Es ist eine Überraschung. Peter: Wieso Überraschung? Martin: Ja, wenn ich's Dir sage, ist es keine Überraschung mehr, klar? Peter: Klar. Martin: Warte! Stefan und Martin verschwinden in der Küche. Peter sitzt enttäuscht da. Peter (mit dem ganzen Trotz eines kleinen Jungen): Ich will aber auch mit! Die beiden kommen wieder ins Wohnzimmer, jeder trägt eine Torte mit brennenden Kerzen vor sich her. Dazu singen sie "Happy birthday". Peter steht freudig überrascht da. Stefan drückt ihm die Hand. Stefan: Alles Liebe und Gute zu Deinem Geburtstag. Martin (tritt vor): Lieber Peter! Ich wünsche Dir alles Liebe und Gute zu Deinem heutigen Geburtstag. Du sollst voll Mut und Kraft den Weg weiter beschreiten, den Du begonnen hast zu gehen. Noch viele, viele schöne Geburtstage wie es heute einer ist (sich der Bedeutung der Worte bewußt werdend, stockt er)...wünscht Dir Dein Martin. Und weil wir alle noch so trocken sind (er zieht eine Sektflasche hinter seinem Rücken hervor und überreicht sie ihm)"Voilà!" Stefan (räuspert sich geräuschvoll): Lieber Peter! Ich wünsche Dir von ganzen Herzen, den Mut zu haben, der Mann zu werden...der Du bist...(er wundert sich über die Bedeutung seiner Worte) Und weil wir alle noch so trocken sind (er überreicht Peter ebenfalls eine Sektflasche) "Voilà!" Peter (steht ganz fassungslos da): Ich weiß jetzt gar nicht, was ich sagen soll...ich glaube, es ist einer meiner schönsten. (besinnt sich und fängt an zu strahlen) Nein! Es ist der schönste Geburtstag, den ich je erlebt habe. (Guckt sich die Geschenke an, stutzt) Zwei Torten? Eine mystische Bedeutung? Martin: Ja, eine... Stefan (fällt ihm ins Wort): ...ist von Martin und die andere, die ist von mir. Zuckerfrei. Peter: Zuckerfrei? Stefan: Naja, mit Birnenmelasse. Peter: Birnenmelasse? Stefan: Naja, Zucker baut die Spurenelemente ab und... Peter (unterbricht Stefans Rede ab): Ich eß' sie trotzdem. Martin: Achja, und die Kerzen haben wir aufgeteilt, weil... Stefan (fällt ihm wieder ins Wort): ...wir zwei sind. Peter: Schaut, wie sie brennen...Schön! Martin: Ja, schön. Stefan (genervt): Ja, schön. Peter (melancholisch): Früher gab's dann immer einen Teddybären. Stefan (sucht nach Worten): Ähäh, jetzt mußt Du Dir was wünschen, oder? Martin: Ja, jetzt mußt Du Dir was wünschen. Peter: Also gut. (überlegt kurz, dann bläst er alle Kerzen aus) (Zwischenmusik) Einige Zeit und mehrere Drinks später. Martin liegt auf dem Sofa und Peter füttert ihn gerade mit Torte. Stefan sitzt auf einem Stuhl, die Lehne nach vorne und die Haare total zerwuschelt. Alle drei kommen aus dem Lachen gar nicht mehr raus. Martin (zu Peter, die Hände abwehrend erhoben): Ich kann nicht mehr. Peter (singt): Einer geht noch, einer geht noch rein! (stopft Martin ein riesiges Stück Torte in den Mund, wobei sich beide sehr mit Sahne bekleckern; Martin und Peter lachen sich beinahe kaputt) Peter (zu Stefan, immer noch lachend): Sag mal, wie hast Du bloß diese Torte gemacht? Stefan (noch ziemlich ernst): Mit
Birnenmelasse. Stefan (eindringlich, aber mit schwerer Zunge): Wißt ihr was? Wißt ihr was? Es gibt Momente im Leben, da spürt man die Ewigkeit. Heute...heute, das war wieder so ein Moment. (zu Peter) Verstehst Du? Peter: Verstehe. Stefan (in Banne der Erinnerung): Ich bin so dargestanden und vor mir das große dunkle Etwas. Die Menschen. Das Publikum. Und da habe ich reingegriffen wie in einen Brotteig und hab' damit gemacht, was ich wollte! Das ist Schöpfertum ... das ist Schöpfertum... wenn man den Mut aufbringt, sich dem Formlosen entgegen zu stellen und es zu einer Veränderung zu bringen. Wenn man eintaucht in das warme Dunkle, das gar keinen richtigen Namen hat, aber einen einzigartigen großen Atem...(atmet tief) Ein ... und aus .... ein ... und aus... So fühlt man sich, wenn man aus dem Nichts heraus das Etwas sieht... Verstehst du? Peter: Verstehe. Stefan: Das ist Liebe,...das ist Liebe, wenn man den Mut aufbringt, sich hinzugeben in eine Dunkelheit, von der man gar nicht ganz genau weiß, wie tief sie eigentlich ist! Martin: Hast Du keine Angst gehabt? Stefan (leicht lallend): Kein Bewußtsein steht ohne Schmerz! Peter (stärker lallend): Aber er hat seine Angst überwunden... Stefan (laut): Hinter der Schallmauer...(traurig) ist es still... Peter (steht auf, schwankt): Angesichts der Tatsache, daß wir nun einmal leben...(lachend) scheißen wir uns viel zu oft in die Hosen! Stefan: Das ist richtig. Peter (dozierend): Der Tod, nur der Tod macht uns lebendig. Stefan: Sag' mal, liest Du eigentlich heimlich meine Stücke? Das Telefon klingelt. Peter: Heb' ab! Martin: Ja, ich heb' ab. Peter: Heb' ab. Martin: Ich heb' ab. Martin geht zum Telefon, nimmt den Hörer ab. Martin (laut): Japanische Botschaft, Brüssel!...Lily! Peter (lacht laut): Wer ist Lily?...Frag' sie, will sie mich sehen. Martin (ins Telefon): Willst Du ihn sehen? Peter (plötzlich bitter): Weiber! Martin (ins Telefon): Nee, wieso?...Ja...ja...nein... ja... gut. Ciao. (legt auf) Peter (halb fragend, halb überzeugt): Sie wollte sich entschuldigen!? Plötzlich ist die gute Stimmung im Raum wie weggeblasen. Martin (weiß nicht, wie er es Peter beibringen soll): Jaa, ähm, also...sie hat gesagt, Du sollst nicht mehr anrufen, es wäre völlig sinnlos, sie hat den Anrufbeantworter eingeschaltet...naja, und sie hat auch gesagt, Du sollst nicht mehr nach Hause kommen, Du sollst in ein Hotel gehen...naja, sie will Dich nicht mehr sehen! Peter (mit gebrochener Stimme): Sie will mich nicht mehr sehen? Sie will mich nicht mehr sehen? (wütend, laut) Ich will sie nicht mehr sehen, so sieht das aus! Was heißt das, ich soll ins Hotel gehen? (energisch)Ich gehe nicht ins Hotel! Martin (eindringlich): Du kannst nicht nach Hause! Peter (traurig): Aber ich habe doch heute Geburtstag... Martin (plötzlich enthusiatisch): Aber Du kannst doch heute Nacht hier bleiben! Peter: Nein! Martin: Blödsinn, Du bleibst einfach hier! Peter (schwach protestierend): Aber ich gehe Euch doch auf die Nerven! Martin: Quatsch! Wir bauen Dir hier eine schöne Burg (deutet aufs Sofa) und Du schläfst wie ein Engel. (grinst) Morgen früh macht Dir Stefan Speck mit Ei und bringt Dir die Zeitung. Du wirst sehen, es ist hier besser als in jedem Fünfsternehotel. Peter (fast überzeugt): Klingt verführerisch... Martin: Von mir aus, kannst Du die ganze Woche lang hierbleiben! (Stefan wirft Martin einen ungläubigen Blick zu) Peter: Darauf kommt sie nie. Martin: Du bist ein freier Mann. Peter: Jawoll! Martin: Kommt, Jungs, wir gehn jetzt schlafen, ich bin hundemüde! Peter: Aber ich will noch zu Steffi... Martin (streng): Nichts da. Ab ins Bad. Peter gehorcht und verschwindet. Martin (ruft ihm nach) Handtücher oben rechts! Stefan (ernst): Also, ich finde das nicht so ganz in Ordnung... Martin: Was? Stefan: Daß der da die ganze Woche hierbleiben soll. Martin: Wieso? Stefan: Weil wir mal veabredet haben, daß kein Fremder hier längerbleibt als zwei Nächte. Martin: Komm' Stefan, red' doch keinen Blödsinn. Peter ist doch kein Fremder! Stefan (ärgerlich): Darüber reden wird man doch wohl noch können, oder? Martin: Vergiß es. Morgen früh sind sie wieder versöhnt und er zieht wieder nach Hause. Stefan: Meinst Du? Martin: Weiß' ich. Stefan: Und wenn nicht? Martin (genervt): Wenn, wenn, wenn...dann werden wir uns schon irgendwas einfallen lassen. Heute Nacht muß er erstmal hierbleiben. (nachdenklich) Du, die Lily... Stefan: Was war eigentlich los? Martin (schaut sich vorsichtig um): Sie hat ihn betrogen! Stefan (fassungslos): Nein! Martin (warnend): Leise! Stefan: Und? Martin: Was und? Stefan: Trennen sie sich? Martin: Für heute Nacht sicher. Stefan (kopfschüttelnd): Wo man hinsieht...Scheiße. Martin: Kennst Du eine intakte Beziehung? Eine, nur. Stefan: Ja. Unsere. (zählt auf) Ich koche, ich putze, ich mach' die Betten, ich wasche ab und Du... Du? Du wartest ab. Martin: Das ist Harmonie! Stefan: Ja. Irgendwo hört man Peter im Bad singen: "Ich bin ein freier Mann, ich bin ein freier Mann..." Stefan: Sie hat ihn betrogen, sagt Du? Mit wem? Martin: Ja, leider nicht mit Dir... Stefan (grinsend): Hätte ich das gewußt, dann wäre ich beim Chinesen noch deutlicher geworden! Martin: Du warst deutlich genug. Stefan: Ja? Peter kommt wieder herein, im Schlafanzug. Martin und Stefan haben inzwischen aus dem Sofa ein gemütliches Bett gemacht. Peter: Schön! Ich schlaf' schon. (er legt sich hin) Gut' Nacht! Stefan: Nacht. Martin: Gute Nacht! Stefan und Martin wenden sich zum Gehen, als Martin etwas einfällt. Martin (zu Stefan, leise): Hey, wie geht es morgen früh weiter? Stefan: Ich muß' um neun aus dem Haus. Martin: Gut, dann bleib' ich bis zehn, dann kann ich mit ihm frühstücken. Peter (zufrieden): Sehr schön! Martin: Gute Nacht! Stefan: Nacht. Peter: Gute Nacht. Stefan und Martin wenden sich wieder zum Gehen, als Stefan Martin zurückhält. Stefan (flüsternd): Warte mal. (er kramt in einer Ecke und zieht plötzlich einen Teddy hervor) Martin: Ooooohhhhh. Stefan (dreht sich zu Peter und hält ihm den Teddy hin): Gute Naahaacht! Dann gehen Martin und Stefan in ihre Zimmer. Kaum hört Peter keine Schritte mehr, springt er vom Sofa auf, geht zum Schreibtisch, wo er zwei Kerzen anzündet. Dann nimmt er den Telefonhörer und wählt eine Nummer. Peter (energisch ins Telefon): Und wenn Du blau wirst vor Ärger...mir geht es hervorragend, ja, so sieht es aus! Schlechte Nacht! |