"Späte Mädchen "

Bilder vom Stück:
© Dietmar Röske, Dassendorf (DANKE)
 
Besetzung
Rosalia Brigitta Böttrich
Griselda Katja Brügger
Mariano Nicolas König
(Hamburger Morgenpost, vom 20.06.2000, unter http://archiv.mopo.de/archiv/2000/20000620/20000620123.html)

Liebe, Leidenschaft und ein Revolver

von Brigitte Scholz

Ein Theaterabend, an dem das Publikum keinen Eintritt zahlt, sondern gebeten wird, sich nach der Vorstellung an den Herstellungskosten zu beteiligen - Wenn diese Idee Schule macht, könnte die freie Hamburger Theaterszene so richtig aufblühen.

Ins Leben gerufen wurde das ungewöhnliche Finanzierungskonzept von Douglas Welbat. Der Drehbuchautor, Schauspieler und Regisseur schenkte seiner Frau, der Schauspielerin Katja Brügger, zu ihrem 40. Geburtstag einen Auftritt in der in "Späte Mädchen" umbenannten Tragikomödie "Herbstzeitlose" von Diana Raznovich. Zur Premiere lud Produzent Welbat, der auch Regie führte, 300 Freunde, Bekannte und Kollegen, darunter Promis wie TV-Star Jan Fedder und Mathieu Carriere in den Mozartsaal im Logenhaus. Mit der Höhe ihrer in den Spendentopf gezahlten Beträge entscheiden die Zuschauer über Sein oder Nichtsein der "Späten Mädchen". Ab 10000 Mark Einnahmen denkt Welbat an weitere Vorstellungen; dann allerdings im Rahmen von Gastspielen und vor regulär zahlendem Publikum. Am Sonntag war der Jubel jedenfalls so groß, dass künftige Aufführungen gesichert scheinen.

Als resolute Rosalia und temperamentvolle Griselda vertreiben sich Brigitte Böttrich und Katja Brügger die Langeweile mit allerlei Bosheiten. Was die beiden Streithennen jedoch verbindet, ist ihre Schwärmerei für Mariano, den Automechaniker, dessen Story täglich über den Bildschirm flimmert. "Wir werden ihn zu uns holen und glücklich machen", beschließen die in den Serienstar verknallten Damen. Nach der geglückten Entführung ihres Angebeteten kommt das Spiel dann so richtig in Fahrt. Denn Mariano ist keineswegs begeistert von der leidenschaftlichen Liebe der Grazien, die ihn mit dem Revolver bedrohen, mit Kaviarhäppchen und Champagner bewirten und schließlich auch noch versuchen, ihn erotisch zu stimulieren. Doch der TV-Star, den Nicolas König mit viel Charme bringt, entpuppt sich als Versager. Bittere Erkenntnis der späten Mädchen: Das Leben in der Glotze ist aufregender als die Wirklichkeit.

Trotz einiger Längen, die sich im Laufe weiterer Aufführungen sicher noch ausbügeln lassen, eine mitreißende, turbulente Darbietung.