Dieses Interview ist in dem Magazin "Karl-May-Treff" (Ausgabe 6, Oktober 2005) erschienen. Die Verwendung auf dieser Webseite erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Mike Dietrich (Chefredakteur) und Nathalie Brandt, die das Interview gemacht hat.

Linktipp: Karl-May-Treff ... rund um die Karl-May-Spiele Bad Segeberg

Sex and the city – pour Hommes!

Am 26. Dezember 2004 hatte im „Hamburger Sprechwerk“ die Komödie „Butterbrot“ von Gabriel Barylli Premiere.

Mit Nicolas König (zuletzt 2002 als „Eiserner Pfeil“ in Bad Segeberg zu sehen und seit 2003 als „Scout“ zu hören), Joshy Peters (in diesem Jahr grandios als „Vete Ya“ am Kalkberg) und Oliver Hörner (den meisten als „Jan Wollcke“ von den „Rettungsfliegern“ bekannt), stand, und man muss es wirklich sagen, ein Dream-Trio auf der Bühne des Sprechwerks.

Andreas Lübbers, der Initiator der Bühne, die Tagsüber zur Ausbildung von Bühnentechnikern dient, bezeichnete die Drei in seiner Premierenansprache als Prinzen, was ich nur allzu gerne bestätige.

Sie möchten jetzt gerne wissen, worum es in „Butterbrot“ geht? Nun, zum einen ist da der Architekt Martin Sterneck (Oliver Hörner), der zusammen mit dem Schauspieler Stephan Kowalski (Nicolas König) in einer Wohngemeinschaft lebt.

Als die Beiden sich eines Abends mal wieder schwärmerisch dem Thema Frauen widmen, wird das Ganze von einem ziemlich aufgelöstem Peter Steiner (Joshy Peters) gestört, der in die Wohnung platzt.

Nun beginnt ein Abend, an dem die Drei, mal unterhaltsam, unverschämt dumm und auch anstößig über Frauen, Gott und die Welt lamentieren.
Wir erleben große Gefühle, tiefe Gedanken und Freundschaft. Und - vielleicht findet der eine oder andere auch sich selber in einem der Drei wieder.

Mehr als Grund genug, die sympathischen Schauspieler zu einem Gespräch zu bitten.

Dass dies zwar teilweise eine nicht ganz ernsthafte Begegnung werden würde, hatte ich mir schon gedacht (eigentlich hätte ein Mann dieses Interview führen sollen), aber dennoch, mit zitternden Knien und auf alles gefasst, stürzte ich mich in das Abenteuer Interview (welches zudem noch mein Erstes überhaupt war):

 

Beschreibt mir doch bitte mit Euren Worten „Butterbrot“.

Oliver Hörner: „Sex and the City pour Hommes! “ (alle lachen) Kurzes Statement! (schaut zu Nico rüber)

Nicolas König: “Six feet under kurz davor!”

Joshy Peters: “Die Hard!” (wieder Gelächter)

NK: Es sind halt die Unzulänglichkeiten und Länglichkeiten der Männer.


Wie entstand die Idee, „Butterbrot“ in Hamburg zu spielen?

OH: Ja, wie entstand die Idee, Joshy? (Nico und Oliver schauen zu ihn an)

JP: Nachts auf einer Tankstelle traf ich den Michael Derda, unseren Regisseur, der gerade seine Intendanz am Waldau Theater verloren hatte . . .

NK: . . . weil Bremen denen Subventionen gestrichen und das Theater geschlossen hat . . .

JP:.. . . und er wollte so oder so nach Hamburg gehen und hier arbeiten. Zuerst hatten wir daran gedacht, in einem Rahmen mit Abendessen, „Kunst“ zu spielen, doch da waren die Rechte für Hamburg leider schon an Ulrich Tukur gegangen. Alternativ kamen wir dann auf die Idee mit „Butterbrot“ auf die Bühne zu gehen, da wir das schon lange wieder einmal spielen wollten.
Anfänglich wollten wir am Ernst-Deutsch-Theater spielen, doch da ich über eine Lesung den Andreas Lübbers kennen gelernt hatte, den Initiator des „Sprechwerks“, haben wir gesagt: „Lasst uns das doch da machen!“
So saßen wir eines Abends zusammen, riefen Michael an und machten Nägel mit Köpfen.


Oliver, wie bist Du in das Projekt eingestiegen?

OH: Ich wollte eigentlich schon immer mal wieder Theater spielen. Durch die Rettungsflieger hatte ich nie wirklich Zeit und dann kam der Nico nach dem letzten Drehtag auf mich zu und fragte ob ich denn nicht Lust hätte mit ihm Theater zu spielen. Es ging um „Butterbrot“. „Ja, selbstverständlich“ hab ich gesagt, „gib mir doch mal das Stück!“. Ich habe das dann von seiner Homepage herunter geladen, gelesen, war sofort begeistert und damit lief das dann irgendwie an.

Nico und Joshy sind seit Jahren ein eingespieltes Team. War es schwer, da Fuß zu fassen?

OH: Ach, überhaupt nicht. Es sind wunderbare Kollegen, es macht wahnsinnig viel Spaß mit ihnen, heuchel, heuchel, lechzt, lechzt….

NK: Du kannst wieder aufstehen, Olli (macht Schlürfgeräusche).

OH: Nein, es macht irre viel Spaß, es sind zwei super Schauspieler und das ist auch eine schöne Arbeit.

Die meisten unserer Leser kennen Dich nur als „Jan Wollcke“. Was hast Du aber sonst noch alles gemacht?

OH (eigentlich ohne Luft zu holen, Nico und ich sind sprachlos ): Och viel, ich hab ja ziemlich früh schon mit dem Theater angefangen. Mit 14 hab ich erste Hospitanzen und Regieassistenzen gemacht, dann hab ich an Freilichtbühnen gespielt, meine erste Rolle hatte ich dann mit 17 und nen Keks bei Ida Ehre an den Hamburger Kammerspielen, dann hab ich meine Schauspielschule gemacht, ging nach Frankfurt, dann nach Köln, Wiesbaden, dann hab ich Freilich in Jagsthausen gespielt, dann hab ich in München, Berlin und wieder in Hamburg Theater gespielt, dann hab ich elf Tourneen gemacht, dann hatte ich zwei Jahre Außerlandsaufenthalt auf der Dominikanischen Republik, da wollte ich aus dem Beruf aussteigen, danach kam ich dann wieder, dann hab ich in Lüneburg Theater gespielt, dann kamen die Rettungsflieger und jetzt bin ich im Sprechwerk. Amen.

(Aber auch im Fernsehen war er in diversen Rollen zu sehen, unter anderem in „Burg Wutzenstein“, „Der Landarzt“, „Leonie Löwenherz“, im „Alphateam“, „Die Strandclique“ und der Rosamunde Pilcher Verfilmung „Blumen im Regen“)

Habt Ihr vorher schon einmal zusammen gearbeitet?

OH: Wir haben mal „Springfield Story“ synchronisiert.

NK: Genau, das ist aber auch schon ein paar Jahre her.

OH: Da waren wir alle noch jung und fruchtig.

JP: Obwohl ich da ja Späteinsteiger war.

NK: Ja, Du bist später dazu gekommen, ganz am Anfang waren Olli und ich die, die die Outlaws gesprochen haben.

OH: Nein, die hießen anders, aber wie? (schaut Nico an)

NK: Ich hab auch keine Ahnung mehr.

OH (nach kurzem überlegen ): Die Gallaheads.

NK: Die Gallaheads, genau!


Ihr kennt Euch sehr gut. Gibt dass mehr Sicherheit auf der Bühne oder führt das auch zu Nachlässigkeiten?

OH: Es ist ein absolutes Vertrauen da, weil man sich auf den anderen 100 % verlassen kann. Fallenlassen darf man sich nie auf der Bühne.

NK: Nein, das wäre undenkbar.

JP: Das wäre unprofessionell.

NK: Was bei dem Stück natürlich dazukommt ist, dass der Grundstein vom Anfang an gelegt ist, dass heißt, die Freundschaft, die auf der Bühne zwischen den drei Personen darzustellen ist, müssen wir nicht spielen, die ist da. Und dann geht es dann wirklich nur noch um die Situation.

Ist es denn leichter, sich in ein Stück einzuarbeiten, dass man schon einmal gespielt hat, oder fängt man wieder von vorne an?

NK: Nein, gleich, also das ist . . .

OH: Das tut mir weh Nico.

JP (schmunzelt ): Jetzt kommt eine ganz andere Farbe rein durch einen neuen Kollegen . . .

OH: Danke, danke Joshy! (lacht)

JP: . . . und deshalb ist es unglaublich spannend . . . (Joshy und Olli schauen sich an und lachen)

N. K. (richtet sich auf und schaut die Beiden an): So hab ich die Frage doch überhaupt nicht verstanden. Ich hab das so verstanden, ob es für uns schwieriger ist, wenn das Stück jetzt ganz neu wäre, oder wenn der Text einmal gelernt ist, und nur aufgefrischt wird.

OH (tut beleidigt) : Ja, ist schon klar . . .

(Alle reden durcheinander).

Die Beiden haben das ja nun schon einmal gespielt….

JP: Vor der Vorstellung herrscht immer noch Anspannung.

NK: Ja, das stimmt. Obwohl es ist erstaunlich, ich musste mich jetzt gar nicht mehr lange hinsetzten und den Text lernen. Ich hab mir die Szenen durchgelesen, dann haben wir angefangen zu proben und da kam plötzlich alles von alleine wieder.

JP: Aber das liegt ja auch an dem genialen Stück, weil ich wette, andere Texte, die zehn Jahre zurückliegen, die hat man nicht so parat, weil die einfach, (sucht nach den richtigen Worten) , das ist einfach - man lebt es. (er macht eine Pause)

Wir haben auch schon mal festgestellt, man kann sich eigentlich jeden Abend nur mit den Dialogen . . .

OH: . . .nur mit den Texten des Stückes unterhalten.

NK: Stimmt.

J: Das geht hervorragend, weil es nur Wahrheiten sind.

(Nico lacht, während Oliver das Gesicht verzieht und mit verstellter Stimme aus „Butterbrot“ zitiert: „Frauen denken nicht! Tun nur so!“)

Ich persönlich habe Unterschiede zu dem Textbuch festgestellt, dass man auf Nicos Homepage herunterladen kann . . .

NK: Das Skript wurde von einer Tonaufnahme abgetippt, die um die 50. Vorstellung im Bremer Packhaustheater gemacht wurde und da hatte das an manchen Stellen schon so ein kleines Eigenleben bekommen. (Gelächter)
Als Grundlage haben wir jetzt wieder das Original genommen, aber so manche Sachen waren auch schon wieder nach 6 Vorstellungen ein bisschen anders, als wir sie bei der Premiere gesprochen oder mal geprobt haben. Es ist halt ein sehr lebendiges Stück und das ist auch sehr, sehr . . . .

OH: Davon lebt es ja.

NK: …das ist auch sehr abendabhängig.

OH: Als lebendiges Stück.

JP: Es ist halt das beste Stück der Welt.

OH: Und es ist absolut zeitlos.

Dann ist es also auch von Vorstellung zu Vorstellung unterschiedlich, wann und wo Ihr am meisten lacht?

OH: Es kommt da auch mit auf die Leute an die drin sitzen. Weil es ist ja ein Feedback und man spürt eine Reaktion unten und dann ist es so ein Geben und Nehmen und es variiert natürlich, man setzt da mal eine Pause länger, weil man merkt, da ist ein Lacher drin für den Kollegen, dann wartet man einen Moment bis der Lacher durch ist oder, also es gibt dann so leichte Rhythmusverschiebungen innerhalb des Stückes, aber großartige Veränderungen - es schleift sich irgendwie ein.

JP: Also die Stichworte müssen schon kommen für den Kollegen und man merkt ja auch am Publikum was funktioniert, was weniger funktioniert. Und man muss ein Gefühl dafür haben, was man herausstellt und was nicht. Wenn nicht gerade Klassik gespielt wird, ist das ganz Gang und Gebe am Theater.

Gab es denn eine Situation, die die Lachmuskeln am meisten beansprucht hat?

NK: Ja, während unserer zweiten Benefizvorstellung zu Gunsten der Flutopfer. Nach der Pause fing es mit heftigen Donnerschlägen an, die hier in dem Theater besonders gut zu hören gewesen sind, . . .

OH:.. . . dann hat es plötzlich angefangen durchs Dach zu hageln und wir mussten improvisieren, weil die Leute uns unten nicht mehr verstanden haben. Während ich von der Hinterbühne mit einer Schale nach vorne gekommen bin um den Hagel aufzufangen, sagte Nico: „Das Dach hat Martin gebaut!“, denn der Martin, den ich spiele, ist Architekt.

JP: Ich nahm dann die Schale und hielt sie mir über den Kopf, weil ich schon ein paar Hagelkörner abbekommen hatte.

NK: Wir haben dann letztendlich unterbrechen müssen. Hatte ein bisschen was von Bad Segeberg.

JP: Solche Sachen oder einfach so Momente . . . und das war glaub ich. . .

NK:. . . die sich einfach ergeben, da wo es dann plötzlich interaktiv wird, das ist immer ganz lustig.

Gibt es eine, oder mehrer Eigenschaften Eurer Rollen, die Ihr mit Euch identifizieren könnt? .

OH: Ich denke mal, so eine Rolle, die formt man sich schon so, dass sie sehr viel von einem hat.

NK: Die Feingeistigkeit ist es bei mir.

OH: So ein paar Emotionen die müssen schon wirklich gefühlt sein, weil sonst glaub es einem keiner.

JP: Ja, aber man kann sie auch glaubhaft wiedergeben, weil jeder schon mal, ansatzweise in so einer Situation war.

OH: Ob man vielleicht Angst vor einer Beziehung hat, ob man gerade von jemandem verlassen wurde oder sich gerade frisch verleibt hat, also in diesen Situationen war glaub ich, jeder Mann schon mal und deswegen ist es ziemlich einfach oder einfacher sich dort hinein zu versetzten.

Habt Ihr auch einmal daran gedacht, die Rollen zu tauschen? (ich komme gar nicht dazu, die Frage zu Ende zu stellen)

NK: Täglich. Immer wieder. Also eigentlich . . .

OH: Immer wieder. Ich möchte auch mal einmal „Freier Mann!“ brüllen.

NK: … eigentlich minütlich, wenn wir auf der Bühne stehen.

OH: Stimmt!

NK: Machen wir auch manchmal. (Gelächter), wenn der eine den Text vom anderen sagt und umgekehrt (noch mehr Gelächter). Seinen eigenen Text weglässt zum Beispiel. (immer noch mehr Gelächter).

OH (verstellt die Stimme) : Mit wem wohne ich zusammen?

Nico und Joshy, haben sich Eure Einstellungen zu dem Stück geändert, seit ihr es das letzte Mal gespielt habt?

JP: Natürlich, jetzt sind 10 Jahre vergangen, und man bringt ja immer ein bisschen Persönlichkeit mit ein, das heißt, die Entwicklung, die man persönlich in diesen zehn Jahren gemacht hat, die merkt man natürlich auch in diesem Stück.

Weil das hat ja was Positives . . .

NK: Was sehr Positives.

JP: Das hat was mit Glaubhaftigkeit zu tun. Damals über lange Eheprobleme zu sprechen, so Mitte zwanzig, war für Nico wohl auch nicht gerade einfach. Da hat man gesagt , zehn Jahre älter wäre auch Okay gewesen und das Alter haben wir jetzt.

NK: Ja.

(Nach einer kleinen Pause):

JP: Ich bin jetzt auch Ende 20 . . .

NK: Joshy ist an der Grenze, aber . . .

OH (energisch): Nein, Joshy ist Ende 20.

NK: Ach so, ja, na ja, an der Grenze zu 30.

OH : Ja.

Nico, Du spielst jetzt zum dritten Mal den Stephan Kowalski. In einem Interview rund um die Karl May Spiele hast Du gesagt, Du spielst niemals eine Rolle doppelt. Wie verträgt sich das?

N.K: (schaut mich fragend an) : Die Frage hat man mir gestellt, da war ich 23 und hatte nicht, war noch nicht, (sucht nach Worten) , nein also es ist äh (lacht) es ist halt mal wieder ein bisschen anders.

OH: Was gibst Du auf Dein Geschwätz von gestern??

NK (lacht): Ja, so könnte man das auch sagen (fängt an zu lallen und bringt einen Text aus "Butterbrot"): „Das ist so auch wieder ein bisschen richtig!

OH (zitiert auch im lallenden Ton): "Sag mal, liest Du eigentlich heimlich meine Stücke?“

JP: (ebenfalls lallend): Dann dürftest Du ja auch nur eine Staffel Rettungsflieger drehen!

NK: Ja, eigentlich nur eine Folge . . .

„Stephan“ ist in „Butterbrot“ Schauspieler. Ihn kann man wunderbar zitieren. Unter anderem kommt von ihm diese Bemerkung: „Widerstand des Publikums bestätigt dem Regisseur nur, dass er gegen den Strom schwimmt. Jedes Genie kämpft gegen den Strom, also ist Widerstand des Publikums nur Beweis für die Genialität des Regisseurs.“ - Wie schätzt Ihr diese Theorie ein?

NK: Auf manche trifft das bestimmt zu, aber das hier ist alles überhöht. Wenn man sich so manche Inszenierung an manchen Häusern ansieht, ob das nun an den Schauspielhäusern dieses Landes ist, wo es eigentlich nur noch darum geht etwas Spektakuläres hinzulegen und das unter dem Deckmantel der Kunst zu verkaufen, dann stimmt es bestimmt. Manche wählen von Grund auf erst einmal den Weg der Provokation und gehen nicht wirklich auf den Sinn und Zweck des Stückes, sondern wollen einfach nur erst sehen „Wie kann ich möglichst viel Aufsehen erregen und möglichst viele Leute anziehen!“

OH: Provokantes Schockiertheater.

JP: Intellektuelle Onanie.

NK: Ja, genau, ja, genauso, wunderbar, du hast es.

OH: Es kann zum Beispiel nicht sein, dass Hamlet in einer Bühne steht, die voller echtem Stierblut ist. Es gab solche Inszenierungen und das ist dann dieses Schockiertheater, was eigentlich überhaupt nicht mehr. . .

NK (trocken ): Dabei gab es in Dänemark gar keine Stiere.

OH: Eben, nur Kühe, die Dummen. Und deswegen und es ist auch diese Weisheit des Stückes einsetzbar auf die Realität, aber…

NK: …alles ist, wie gesagt überzogen

Hat man da noch Lust, selber ein Drehbuch zu schreiben und oder Regie zu führen?

N.K: Es kommt ja immer darauf an… ich kann mir für mich eher vorstellen, Regie zu führen, als ein Buch zu schreiben. Ich kann Sachen weiter verwerten, aber sie ganz neu erfinden…dafür muss ich vielleicht noch zehn Jahre älter werden. Aus irgendetwas Gutem etwas Besseres zu machen, kann ich mir vorstellen, aber nicht aus irgendwie gar nichts was Gutes zu machen….noch nicht.

OH ( hat, wie ein großer Denker, das Kinn aufgestützt): Schwer, das ist schwer, weil es eine ganz andere Art von Arbeit ist, so ein Drehbuch oder ein Theaterstück zu schreiben, als wir die jetzt hier oben machen. Wir machen das geschriebene lebendig und als Autor bist du eigentlich eher ein sehr zurückgezogener Mensch und wir sind mehr die Extrovertierten, so sehe ich uns drei hier und nicht die Introvertierten und. . . .

JP Na also..(räuspert sich)

OH: Verzeih, außer Joshy, der ist sehr introvertiert und intellektuell . . . (Gelächter)

JP: Obwohl, wir hatten mal die Idee so nach Eckburnschem Vorbild vielleicht einmal ein Stück zu entwickeln. Einfach zu sagen, man schreibt sich einen Leitfaden, geht mit den Akteuren auf die Bühne und probiert das Ganze gleich vorm Publikum aus und entwickelt im Spiel. So hat man gleich eine Reaktion, was wie ankommt.

OH: Mit ein bisschen Phantasie geht alles, aber es muss natürlich dann auch dramaturgisch stimmen, eine Kurve haben, es muss - es ist nicht so einfach. Ich könnte mir auch eher vorstellen, etwas Gutes, wie das Nico schon richtig gesagt hat, etwas Gutes besser machen, als aus Nichts etwas Gutes.

Später erzählt „Stephan“ dann von seinem Frustmoment auf der Bühne. Habt Ihr auch schon einmal so etwas Ähnliches erlebt?

OH: Ja, sicher. Also es gibt immer wieder so kleine Frustmomente, wenn man oben auf der Bühne steht und irgendwie merkt, das Publikum ist nicht dabei, es schwimmt einem so weg und man versucht es zu stemmen, wieder zu holen und man schafft es einfach nicht.

N.K: Wenn man runterschaut und sich überlegt, ob die da unten noch leben, oder ob sie überhaupt noch da sind (lacht,), weil irgendwie . . .

JP: Weil man sich nicht sicher ist, dass sie die Vorstellung überleben. . . .(alle lachen), wenn dann die Hörgeräte piepen….

OH: . . . und da sind wir wieder bei den Inszenierungen, die nach hinten losgehen.

So etwas, wie der Stephan in „Butterbrot“ bringt, würdet Ihr das auch tun?

OH: Abgehen von der Bühne? Nein.

NK: Nein, das ist wie gesagt eine Komödie und da ist alles überhöht. Das macht das ja auch aus, also die Situationen sind zugespitzt und sind wirklich einfach mal zu Ende gedacht, was wäre denn wenn….auch das Eintreten von Joshy mit „Ich bin ein freier Mann, Frauen können gar nicht denken, sind gefährlicher als Tiere . . . „ und …

OH : …“ Man muss Bojen setzen“

NK: …man muss Bojen setzen – so würde jemand in der Situation, glaube ich nicht reden. Der würde sich die Kante geben und würde vielleicht noch sagen (verstellt die Stimme): „Alles Mist, blöde Frauen!“, aber mehr wohl auch nicht.

„Butterbrot“ basiert, ebenso die Karl-May-Inszenierungen, auf einer Romanvorlage. Lest ihr diese auch, um Euch auf die Rollen vorzubreiten?

OH (wie ein kleiner beleidigter Junge) : Das wäre doch blöd, dann wüsste ich ja schon wie es ausgeht Nein, das mach ich nicht, nein, nein.

JP: Ich hab es auch nicht gelesen.

Auch nicht um für sich selber Vergleiche anzustellen, wie man die Rolle anlegt?

OH: Der Roman „Butterbrot“ hat im Prinzip mit dem Stück nicht viel zu tun, das ist ja das Problem. Es ist im Roman eine ganz, ganz andere Geschichte. Es sind zwar dieselben Rollen, aber eine ganz andere Geschichte. Huch, jetzt hab ich mich verraten! (schlägt die Hände vors Gesicht ) Ich hab's doch gelesen! (wieder Gelächter von allen)


Kommt Ihr überhaupt, abgesehen von den Textbücher, zum lesen?

OH: Ich lese meinen Kindern sehr viel vor. Das ist meine Lektüre im Moment, weil ich zu was anderem nicht komme. Zurzeit ist es gerade „Die Kinder vom Möwenweg“, eine schöne Geschichte, die man jedem empfehlen kann.

NK: Bei mir ist es auch nicht anders. „Die Königin der Farben“ hab ich meinen Sohn gerade vorgelesen.

(Natürlich habe ich auch ein paar Fragen gestellt, die mit den Karl May Spielen zu tun haben:)

Wo liegt für Euch der Unterschied zwischen dem Theater in Bad Segeberg und dem normalem Theater?

JP (schaut mich leicht stutzig an ) : Das eine ist eine Freiluftbühne und das andere hat ein Dach. (Alle reden durcheinander) Es ist eine Show, ein Event. Da kannst Du stimmlich ein bisschen was machen ….

NK : Es ist halt das Einzige wo du variieren kannst, weil dein Gesicht sieht man ab der zehnten Reihe eigentlich sowieso nur Schemenhaft. In so fern geht es da einfach um Action und es ist gute Unterhaltung.

Oliver, Du kennst die Segeberger Bühne nur als Zuschauer. Wie sieht es aus, würdest Du auch gerne einmal die Seiten wechseln und im Kalkbergrund stehen wollen?

OH: Ja, ja, ja. Ich glaube, in jedem Mann ruht der Wunsch einmal wieder Cowboy und Indianer zu spielen und das ist auch der Antrieb, warum viele Schauspieler gerne in Segeberg spielen, weil sie dort wirklich noch einmal ihren Kindheitstraum ausleben können. Auf einem Pferd sitzen und ein bisschen Schießen und Kämpfen auf der Bühne…. ich würde das gerne machen, sehr, sehr gerne sogar hätte ich große Lust dazu.

Welche Rolle würdest Du denn spielen wollen?

OH: Ich weiß es nicht . . . die, die mir angeboten wird….

JP ( schmunzelt) : Er wäre ein hervorragender Sam Hawkens!

(Oliver schaut ihn an, grinst, Joshy und Nico lachen)

OH: Nein, ich weiß es nicht, ich hab keine Ahnung, ich würde gerne den Bösen spielen, ich würde gerne Indianer sein, ich kann in die komische Ecke gehen, also ich hab da jetzt keine große Wunschvorstellung. Was man mir da unten zutrauen wird auf der Bühne würde ich spielen wollen.

Nico, in Ausgabe Nr. 1 unseres Magazins hat Tom Pröve im Interview gesagt, dass er Dich als „Winnetou“ in einer Retrospektive engagieren wollte. Hättest Du Dir das vorstellen können?

NK: Ja, grundsätzlich. Wenn Gojko irgendwann mal keine Lust mehr hat und die Kalkberg GmbH sich vorstellen kann, was sehr wichtig ist, das sie sich das vorstellen kann und nicht ich mir das vorstellen kann, ist es alle mal reizvoll für mich den „Winnetou“ zu spielen.

Joshy würdest Du dann auch an Nicos Seite den „Old Shatterhand“ spielen wollen?

JP: Ich hab mir eigentlich noch keine Gedanken gemacht. Natürlich wäre es klasse, mit Nico Blutsbruder zu sein und es wäre auch genauso klasse, wenn wir uns . . .

OH: …wenn Ihr Euch weiterhin im Konflikt gegenüber steht und Euch . . .

NK: …und uns 90 Minuten lang durch den Kalkbergsand prügeln, was auch schön ist.

JP: So, oder so würde das viel Spaß machen, mit Nico wieder in Segeberg zu spielen. Er ist dort nun einmal mein Lieblingskollege, in welcher Konstellation auch immer.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag 2004 war Premiere von „Butterbrot“ und auch an Silvester standet Ihr auf der Bühne. Bringt das Feiern da Zuhause und überhaupt noch Spaß, weil man weiß, dass man ins Theater geht?

NK+OH.: Wir haben doch gefeiert!

NK: Heiligabend und 1. Weihnachtsfeiertag war Familie. Da haben wir uns nur noch einmal am Nachmittag kurz hier getroffen und sind technische Einstellungen durchgegangen. Silvester ist sowieso immer so eine Sache. Ich bin nun auch keiner der immer auf Deubel komm raus schreit: „Jetzt muss die Party steigen!“, sondern ich bin dann lieber einen Moment ganz ruhig in einer Ecke und überleg mir mal ein paar Sachen, was alles schief gelaufen ist, letztes Jahr und was man im nächsten dann besser machen kann.

Von Joshy wissen wir ja, dass er in Bad Segeberg auf der Bühne stand. Doch was habt Ihr, Nico und Oliver denn bis jetzt gemacht und was steht bei Euch Dreien als nächstes im Terminkalender?

NK: Olli und ich drehen seit dem 19. April 2004 zwölf neue Folgen für „Die Rettungsflieger“. Auch habe ich in dem Film „Mauer des Schweigens“ mitgespielt, der auf SAT 1 zu sehen sein wird.

OH : Ab dem 18 November bis voraussichtlich Silvester 2005 spielen wir dann wieder „Butterbrot“, diesmal aber in Lüneburg. Auch steht für alle fest, dass wir in dieser Konstellation, mit dem Michael Derda als Regisseur noch einmal etwas anderes machen werden.

JP: Ich denke mal, wir werden sicher auch mal wieder etwas im „Sprechwerk“ machen.

Während die Hamburger „Butterbrot“ Premiere gefeiert wurde, zeigte uns die Natur auf der anderen Seite des Globus ihre zerstörerische Kraft. Zu Gunsten der Opfer des Tsunami in Asien spielten die Drei am 02. Januar 2005 zwei Benefizvorstellungen:

Was ging Euch durch den Kopf, was habt Ihr gefühlt, als Ihr von der Flutkatastrophe erfahren habt?????

NK: An dem Tag war gerade unsere Premiere. Als ich das dann am nächsten Morgen gehört habe, war das schon ziemlich schockierend. Die Bilder haben dann den Rest dazugegeben.

Erst fing es mit 6000 Menschen an, die ihr Leben verloren hatten und dann wurden es minütlich irgendwie 1000 mehr und das war schon sehr schlimm. Auch abgesehen, davon, dass man auch noch selber persönlich Leute kennt die einfach nicht mehr wieder kommen.

OH: Wir haben uns hier darüber aufgeregt, dass das Licht nicht funktionierte, der Text nicht stimmte und dann sieht man die Bilder so einer Katastrophe im Fernsehen, wo wahnsinnig viele Menschen von einer Welle mitgerissen werden und merkt wieder einmal, wie völlig sinnlos Streitereien sind, oder wie das Leben eigentlich banal ist, wenn man sich über Kleinigkeiten aufregt. Es geht uns verdammt gut und man muss sich einfach immer wieder bewusst machen, dass man wirklich Glück hat.

JP: Natürlich ist es ein Riesendrama, es ist tragisch. Ein Bekannter von uns ist eines der Opfer, der Mark Degner, das trifft einen auch, das bekommt ein persönliches Gesicht.

Es macht immer viel aus, wenn es sich um Urlaubsgebiete und um Deutsche handelt, aber auf der anderen Seite verhungern ungefähr 300000 Kinder im Jahr weltweit. Das ist das, was mich immer wütend macht, diese Wertigkeit, diese Missachtung von allem anderen Elend.

Es geht zum Beispiel nicht an, dass in Afrika Millionen von Menschen sterben, weil die amerikanische Pharmaindustrie sagt, das, was wir an Anti-AIDS-Cocktails haben, kriegt ihr nicht, das wollen wir teuer verkaufen und gleichzeitig ein Präsident Bush sagt, wir ziehen in den Krieg gegen den Irak und innerhalb von 24 Stunden stehen 40 Milliarden Dollar zur Verfügung um das dann alles zu verbomben.

Man sollte einfach dieses stille Elend, dass es auf der Welt gibt, in solchen Momenten nicht vergessen, denn es geht nicht nur um eine jetzige, sondern um eine permanente Katastrophe.

Toll, wenn Leute hilfsbereit sind, auch wie zur Flut drüben an der Elbe, dass es da so eine Solidarität gibt, die man eigentlich nicht mehr vermutet hat, aber man sollte versuchen, auch über solche Zeiten hinaus an diese Menschen zu denken Vielleicht fasst das im Bewusstsein der reichen Völker irgendwann einmal Fuß, dass es auch ohne die großen Katastrophen ganz viel Elend auf der Welt gibt.

OH: Wenn jeder in seinem Umfeld ein wenig hilft, dann ist allen geholfen. Wenn man da einfach die Augen aufhält, wenn man sieht, jemand braucht Hilfe, wenn man da zupacken kann und das jeder machen würde…

JP: Aber das heißt auch, dass man mit wachem Verstand durch diese Welt geht. Man beeinflusst ja auch andere Menschen dadurch, dass man darüber spricht, daran teilnimmt und darüber redet.

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Danke Nicolas König, Oliver Hörner und Joshy Peters für das Interview und weiterhin viel Erfolg und auf ein baldiges Wiedersehen am Kalkberg und natürlich im November in Lüneburg!

(Nathalie Brandt)